Kann man Inklusion erzwingen?

3. Juli 2012: Mit der Unterzeichnung der UN-Konvention sollte Deutschland eigentlich inklusiv werden.

Leider gibt es immer noch tausend Gründe, warum Schüler mit Behinderung nicht am Regelunterricht teilnehmen können oder im Sportverein mitmachen dürfen.

Manche Eltern haben den Mut, dagegen zu Klagen und erreichen so ihr Ziel.

Aber wie geht es den Kindern dabei? Bekommen sie zu spüren, dass sie eigentlich nicht erwünscht sind?

Oft werden schwierige Kinder als Grund dafür genannt, dass man nicht auch noch behinderte Kinder aufnehmen kann. Um dies zu ändern, müssen die Lehrer schon während der Ausbildung lernen, dass es ihre Aufgabe ist, alle Schüler zu akzeptieren und unterrichten. Wenn sie dazu nicht bereit sind, haben sie vielleicht einen falschen Beruf gewählt. Sicher müssen sie auch entsprechend ausgebildet werden und notwendige Hilfen bekommen.

Auch Menschen mit Handicap möchten mal Urlaub machen. Leider gelingt es ihnen nicht immer, in ganz normalen Hotels unterzukommen und mit den anderen Gästen Kontakt aufzunehmen. Im Gegenteil, oft fühlen sich die anderen Urlauber belästigt und klagen sogar. Solange es Gerichte gibt, die Schadensersatz gewähren, wird es sehr schwer sein Inklusion zu ermöglichen.

Als ich meine Zahnimplantate bekam, betonte der Kieferchirurg, dass es nicht selbstverständlich gewesen sei und dass es nicht viele Kollegen gibt, die dazu bereit gewesen wären.  Mein Bruder, der selbst Arzt ist, meinte nur: „ Man sollte diesen Ärzten die Approbation entziehen, wenn sie nicht bereit sind, Patienten mit Down-Syndrom bestmöglich zu versorgen.“ Er schluckte und gab meinem Bruder Recht.

Von meiner Tante weiß ich, dass in ihrer Umgebung ein Wohnheim für behinderte Menschen gebaut werden sollte. Die Nachbarn demonstrierten dagegen und leider entschied auch ein Gericht, dass dort nicht weitergebaut werden durfte.

Wahlrecht auch für Menschen mit Behinderung?

7. Januar 2012: Am Sonntag den 06.11.2011  war bei uns in Seeheim-Jugenheim Bürgermeisterwahl. Wie immer seit meinem 18. Geburtstag war es für mich selbstverständlich, meiner Bürgerpflicht nachzukommen.

Obwohl jeder Bürger in einer Demokratie ein Wahlrecht hat, werden Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, wenn ein Betreuer alle ihre Angelegenheiten regelt. Dies erfuhr ich durch eine Pressemitteilung unseres Behindertenbeauftragten Hubert Hüppe. Das finde ich nicht in Ordnung. Mein Onkel war blind, er hatte trotzdem seine eigene Meinung und wollte wählen. Deshalb ging meine Tante immer mit in die Wahlkabine und machte für Ihn ein Kreuz. Ein Wahlzettel in Blindenschrift wäre besser gewesen. Nichtbehinderte Wähler können selbst entscheiden, ob sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Sie können sich zwar informieren, müssen es aber nicht. Manchen behinderten Menschen wird gar nicht zugetraut, dass sie verstehen, worum es geht. Deshalb dürfen sie gar nicht erst entscheiden, ob sie wählen wollen.

Ich wünsche mir, ebenso wie Herr Hüppe uneingeschränktes Wahlrecht für alle Bürger, so wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention steht. Wahllokale müssen barrierefrei sein und jeder Wähler muss die Möglichkeit haben, sich gut zu informieren. Deshalb sollte es täglich Nachrichten auch in leichter Sprache, Gebärdensprache und mit Untertiteln geben. Menschen mit Handicap egal, ob blind, taub, körper- oder geistigbehindert sollten auch eine Assistenz bekommen, wenn es nötig ist.

Zum Glück hat man ja auch die Möglichkeit, Briefwahl zu beantragen. Da gibt es vielleicht weniger Barrieren.

Man unterscheidet aktives und passives Wahlrecht: Menschen mit aktivem Wahlrecht dürfen wählen, Menschen mit passivem Wahlrecht dürfen kandidieren und gewählt werden. Vielleicht wäre es gut, wenn mehr Menschen mit Behinderung kandidieren würden, weil sie sicher die Belange behinderter Menschen besser vertreten könnten.

Welt-Down-Syndrom-Tag

 

22. März 2011: Seit 2006 ist der Welt-Down-Syndrom-Tag jedes Jahr am 21.3. 
Das passt natürlich gut, weil bei Menschen mit Down-Syndrom das Chromosom 21 dreifach vorhanden ist. 
Ich finde es sehr gut, dass es einen Tag gibt, an dem daran erinnert wird, dass es auch Menschen mit Down-Syndrom gibt.

Natürlich ist es wichtig, dass aufgeklärt wird, was Down-Syndrom bedeutet. Trotzdem finde ich, dass zu viel Aufmerksamkeit auf die Defizite gelegt wird. 
Immer heißt es: 
„Kinder mit Down-Syndrom können nicht viel lernen! 
Kinder mit Down-Syndrom können nicht richtig sprechen!
Kinder mit Down-Syndrom sind immer fröhlich und glücklich!
 Kinder mit Down-Syndrom sind stur! 
Kinder mit Down-Syndrom müssen in Sondereinrichtungen!
 Kinder mit Down-Syndrom leiden darunter und sind krank! usw.“

Ich weiß:
 „Kinder mit Down-Syndrom können mehr lernen, als man ihnen zutraut! 
Kinder mit Down-Syndrom können meist lernen, richtig zu sprechen! 
Kinder mit Down-Syndrom sind auch manchmal traurig und unglücklich!
 Kinder mit Down-Syndrom sind nicht sturer, als andere Kinder! 
Kinder mit Down-Syndrom müssen Inklusion und Integration kennen lernen!
 Kinder mit Down-Syndrom sind manchmal krank, aber das Down-Syndrom ist keine Krankheit unter der sie leiden!“

Menschen mit Down-Syndrom erfahren immer wieder Diskriminierung und Ablehnung!
 Ich wünsche mir so sehr, dass sich daran etwas ändert!
 Sicher könnte auch der Welt-Down-Syndrom-Tag dazu beitragen!
 Der Tag müsste mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommen.  
Es wäre gut, wenn an diesem Tag in jeder Stadt ein Kino Filme von Menschen mit Down-Syndrom zeigen würde. Es müssten aber nicht nur Filme sein, die aufklären, sondern auch solche, die Normalität zeigen wie zum Beispiel „Me too“
. Auch im Fernsehen sollte der Tag mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe noch nie gehört, dass er in den Nachrichten erwähnt wurde. Dokumentarfilme werden ja leider auch oft erst nach Mitternacht gezeigt.

Ich sage ja immer: „Wir Menschen mit Down-Syndrom gehören dazu!“ 
Es wäre schön, wenn die UN-Konvention auch bei uns umgesetzt wird und viele Menschen meiner Meinung wären!
 Auch heute noch sieht man kaum Menschen mit Down-Syndrom in der Öffentlichkeit. Daran muss sich etwas ändern!
 Deshalb sollte es mehr Spielfilme geben, in denen Menschen mit Down-Syndrom zu sehen sind. Dabei sollten sie sich aber ganz normal verhalten dürfen! 
Auch Menschen mit Down-Syndrom wünschen sich Chancengleichheit!