Meine Gedanken zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung

Meine Gedanken zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung

Das Jahr 1981 wurde von den Vereinten Nationen als „Jahr der Behinderten“ gefeiert.

Die Jahre 1983 – 1993 wurden dann sogar als „Jahrzehnt der behinderten Menschen“ ausgerufen.

Seit Dezember 1993 gilt der 3. Dezember als Gedenk- und Aktionstag.

In unserem Grundgesetz steht ja: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ und seit 1994 gilt auch: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden!“

Leider gibt es immer noch keine Chancengleichheit und Menschen mit Behinderung werden ausgegrenzt und diskriminiert.

Darum ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen mit Behinderung auch Rechte, Wünsche, Fähigkeiten und Bedürfnisse haben.

Deshalb brauchen wir Aufklärung, Gleichberechtigung, den Abbau von Barrieren und vor allem Inklusion in allen Bereichen.

Wenn wir wirklich Inklusion leben nämlich im Kindergarten, in der Schule, im Wohnbereich, im Arbeitsbereich und im Freizeitbereich, entstehen gar nicht erst die Barrieren in den Köpfen und niemand wird ausgegrenzt.

Dann brauchen wir auch keine Sondereinrichtungen mehr.

Menschen mit Behinderung möchten mitbestimmen und teilhaben. Sie wünschen sich Begegnungen auf Augenhöhe.

Bei der Umsetzung von Inklusion handelt es sich doch um ein Recht. Warum kommen sich viele Menschen mit Behinderung trotzdem immer als Bittsteller und Mensch zweiter Klasse vor?

Warum haben werdende Eltern so eine große Angst davor, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, dass sie es lieber abtreiben?

Ich möchte diesen werdenden Eltern gerne die Angst nehmen.

Ich möchte gerne dazu beitragen, dass sich diese negative Sichtweise ändert.

Dazu müssen wir lernen, nicht immer auf die Defizite zu schauen und das Anderssein von Menschen mit einer Trisomie 21 zu betonen. Klischees haben da keinen Platz.

Wir müssen den Schwerpunkt auf Gemeinsamkeiten, Stärken und positive Erfahrungen und Erlebnisse legen.

Da ich als Schauspielerin arbeite, wünsche ich mir ganz viele inklusive Filme, in denen Menschen mit einer Behinderung zu sehen sind, ohne dass Behinderung Thema ist.

Meine Devise lautet: „Wer gesehen wird, gehört dazu!“

Die Filmwelt soll ja unsere Gesellschaft widerspiegeln.

Leider kommen Menschen mit Behinderung so gut wie gar nicht vor und wenn, meist defizitorientiert mit Klischees behaftet oder als Opfer.

Bestimmt könnten die Medien und Filmemacher die Sichtweise unserer Gesellschaft beeinflussen. Leider fürchtet man, dass die Quote darunter leidet.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Gewohnheiten der Zuschauer anpassen würden, wenn es Filme gäbe, in denen sie sich auch mit Figuren identifizieren können, die zwar eine Behinderung haben aber ganz normal dazugehören.

Welt-Down-Syndrom Tag 2018

Seit 2006 findet jedes Jahr am 21. März der Welt-Down-Syndrom-Tag statt und seit 2012 ist er auch offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt.

Heute ist wieder mal ein Welt-Down-Syndrom Tag und viele Selbsthilfegruppen machen mit Plakaten darauf aufmerksam.
Aber wie sieht es mit den Medien aus? Berichten sie auch darüber?
Wie wird berichtet? Hat man das Gefühl, Menschen mit einer Trisomie 21 gehören dazu und sind Teil der Gesellschaft oder wird doch lieber mehr über das Anderssein berichtet?
Viel wichtiger für die Medien ist doch da der § 219a.
Mich macht das sehr traurig. Ich akzeptiere zwar, dass jede Frau diese Entscheidung für sich selbst treffen muss. Trotzdem ist es eine ganz schreckliche Vorstellung für mich, dass Ärzte für die Abtreibung werben.
Es ist für mich unvorstellbar, dass es in der Zukunft vielleicht Arztpraxen gibt, in denen Abtreibungen wie am Fließband vorgenommen werden.
Eigentlich sollten Ärzte doch Leben retten.
Ich selbst lebe ja mit dem Down-Syndrom, aber ich bin nicht krank und ich leide auch nicht unter der Chromosomenanomalie.
Mein Leben ist sehr abwechslungsreich und ich fühle mich auch nicht behindert. Trotzdem werde ich manchmal von meinen Mitmenschen behindert, weil sie mir nichts zutrauen.
Deshalb setze ich mich als Schauspielerin, Speakerin und Aktivistin sehr für Inklusion von Menschen mit Down-Syndrom ein.
Ich bin sehr dankbar, dass ich immer wieder die Möglichkeit habe an Talkshows und Podiumsdiskussionen teilzunehmen,
Mit meinen Vorträgen an Schulen, Hochschulen, Gemeinden und Verbänden, hoffe ich, einen kleinen Beitrag zum Abbau der Diskriminierung zu leisten.
Als Schauspielerin wünsche ich mir viele Filme, in denen Inklusion gelebt wird.
Es sollte selbstverständlich sein, das Schauspieler mit Handicap in Filmen mitspielen, ohne dass Behinderung Thema ist. Wenn diese Filme dann auch noch zur Primetime ausgestrahlt würden, wäre es sicher bald ganz normal.
In dem Film „BE MY BABY“, in dem ich die Hauptrolle spiele, wünscht sich Nicole, eine junge Frau mit Down-Syndrom ein Baby. Sie möchte ganz normal sein und eine Familie gründen.
Leider wurde dieser Film erst nach Mitternacht im ZDF ausgestrahlt. Aber nun ist er noch bis zum 26. März in der ZDF Mediathek zu sehen und vielleicht haben einige Leute Lust, ihn anzuschauen.
Wir Menschen mit Down-Syndrom haben nämlich die gleichen Wünsche und Bedürfnisse wie alle anderen auch und möchten einfach akzeptiert und toleriert werden.

BR2 Eins zu Eins

Foto Philipp Kimmelzwinger

Eins zu Eins. Der Talk Gast: Carina Kühne, Schauspielerin
Carina Kühne, Schauspielerin – mit Norbert Joa | Bild: BR/Kimmelzwinger

morgen, 30.05.2017
16:05 bis 17:00 Uhr

Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Norbert Joa im Gespräch mit Carina Kühne, Schauspielerin
Wiederholung um 22.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Sie ist 32, hat einen Hauptschulabschluss, eine Hauptrolle in einem Kinofilm und das Down-Syndrom. In dieser Reihenfolge fände sie die Aufzählung sicher richtig und amüsant, denn Carina Kühne sagt: „Die Trisomie 21 stört mich nicht und ich leide nicht darunter. Leiden tue ich eher unter der Ablehnung meiner Mitmenschen.“

Das Down-Syndrom gehört dazu
Carina Kühne ist in Berlin geboren und am Rand von Darmstadt zu Hause. Neben der Schauspielerei moderiert sie, hält Vorträge, läuft als Model über den Laufsteg, spielt Klavier und taucht gern. Sie schreibt Kurzgeschichten, Kinderbücher, Blogbeiträge und liebt lange Spaziergänge. Sie sagt: „In Deutschland gibt es ungefähr 50.000 Menschen mit Down-Syndrom. Wenn das Ärzte während der Schwangerschaft feststellen, werden neun von zehn Föten abgetrieben. Wir Menschen mit Down-Syndrom werden also ausgesondert, und es ist wirklich kein schönes Gefühl, zu wissen, dass Menschen wie ich nicht gewollt werden. Dabei erwirbt man die meisten Behinderungen doch erst irgendwann im Laufe des Lebens und auch dann, wenn man das Down-Syndrom ausschließen kann, gibt es keine Garantie für ein gesundes Kind. Meine Gefühle sind auch nicht anders. Ich kann lachen, weinen und nachdenklich sein… Wir gehören dazu!“ Dafür streitet Carina Kühne bei ihren öffentlichen Auftritten, wirbt für Inklusion und ist dankbar, dass ihre Mutter sie auf eine Realschule geschickt hat, wo sie sich vieles von Gleichaltrigen abschauen konnte.

Die Widerstände im Leben
Im Film „Be My Baby“ spielt Carina Kühne eine 18-Jährige mit Down-Syndrom und Kinderwunsch. Für sich selbst hat sie entschieden, lieber kein Kind zu bekommen. „Die Widerstände im Leben sind doch gewaltig“, erzählt sie Norbert Joa im Gespräch bei „Eins zu Eins. Der Talk“.

Eins zu Eins. Der Talk

Erfahrungen und Einsichten, einschneidende Erlebnisse und große Erfolge: Biografische Gespräche mit Menschen, die eine spannende Lebensgeschichte oder einen außergewöhnlichen Beruf haben.
Kontext