Meine Erlebnisse im internationalen Kindergarten

29. Oktober 2010: Zurzeit arbeite ich ehrenamtlich als Betreuerin für ein halbes Jahr im internationalen Kindergarten in Seeheim-Jugenheim. Unter dem Motto: „Aber Hallo: Engagiert und besonders“ hat Volunta vom Roten Kreuz ein Projekt gestartet, bei dem Menschen mit Behinderung ehrenamtlich tätig sind.

Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß. Wenn ich ankomme, werde ich stürmisch begrüßt. Alle Kids kommen angerannt und rufen: „Miss Carina ist da!“ Der Tag beginnt mit einem Morgenkreis in englischer Sprache. Wir singen Lieder und sprechen Reime. Dann gibt es Frühstück und anschließend ist Zeit für Aktivitäten. Wir malen und basteln oder gehen in die Bibliothek. Dort lese ich den Kindern englische Bilderbücher vor und spiele Gesellschaftsspiele mit ihnen. In der Turnhalle laufen die Kinder um die Wette und spielen Ball. Bei schönem Wetter gehen wir in den Garten und spielen dort. Danach wird gegessen und geschlafen, damit die Kinder fit für die Nachmittagsaktivitäten sind.
Nachmittags hole ich mit einem Kind Obst für den Nachmittags-Snack. Beim Abschlusskreis singen wir deutsche Lieder und sprechen deutsche Reime.

Besonders gut gefällt mir, dass die Kinder zweisprachig erzogen werden. Für jede Gruppe hängt im Kindergarten an der Wand eine große Weltkarte. Darum  herum klebt von jedem Kind eine Karte mit Foto, Namen, Lieblingsessen und Fahne des Heimatlandes. Da die Kinder aus vielen verschiedenen Ländern kommen, sieht das sehr schön bunt aus.

Als der Schuldezernent Christel Fleischmann uns im Kindergarten besuchte, spielte ich auch einige Stücke auf dem Klavier. Am 1.9.2010 war ein Artikel mit einem Foto von uns im Darmstädter Echo. Heute hatten wir Besuch vom hessischen Rundfunk. Das Interview wird am Montag, den 01.11.2010  in der Zeit von 16:00 Uhr – 17:00 Uhr im HR4 gesendet.

Meine Arbeit als Kellnerin und Pianistin

25. Oktober 2010: Bis vor einigen Tagen wusste ich gar nicht, dass am 3. Dezember der internationale Tag für behinderte Menschen ist. Leider bekommen diese Menschen im Alltag viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Deshalb freue ich mich sehr, dass die Aktion Mensch diese Kampagne startet und dass ich dabei mitmachen darf.

Auf dem Plakat bin ich als Kellnerin zu sehen. Auch im richtigen Leben bin ich seit dem 2.1.2008 in einem Café als Servicekraft angestellt. Zu meinen Aufgaben gehört es, Bestellungen entgegenzunehmen, servieren, Service bei Sektempfängen, Vor- und Nachbereiten von Veranstaltungen, wie Tischordnung stellen, eindecken, aufräumen, Reinigungs- und Spülarbeiten sowie Warenannahme.

Ich spiele Klavier und hatte mehrmals Gelegenheit, im Café am Flügel für die Gäste zu spielen. Das kam immer gut an und mein Chef meinte, dass mehr Gäste kämen, wenn er meine Konzerte in der Zeitung inserierte.

Manchmal bekam ich auch Anfragen, ob ich bei Familienfeiern spielen würde.

Die Arbeit mit Gästen macht mir wirklich viel Spaß.

Ende des Jahres läuft mein Arbeitsvertrag aus, deshalb suche ich einen neuen Arbeitsplatz, möglichst nicht wieder so weit von meinem Wohnort entfernt.

Ich würde gerne mit Kindern arbeiten und auch eine richtige Ausbildung machen.

Vielleicht bekomme ich auch eine Rolle in einem Spielfilm.

Was ich mir für den Alltag behinderter Menschen wünsche! Ich habe einen Traum!

21. Oktober 2010: Leider müssen behinderte Menschen im Alltag immer wieder die Erfahrung machen, dass sie abgelehnt werden. Überall stoßen sie an ihre Grenzen. Meine Tante sitzt im Rollstuhl und deshalb weiß ich, wie schwer es ist, Hindernisse zu überwinden. Ich wünsche mir so sehr, dass alle Hindernisse beseitigt werden.

Eltern behinderter Kinder können immer noch nicht frei wählen, in welche Schule ihr Kind soll. Nun soll sich ja laut UN – Konvention etwas ändern. Das wäre so schön! Selbst wenn behinderte Schüler es schaffen, eine Regelschule zu besuchen und einen Abschluss zu machen, hören die Probleme nicht auf. Immer wieder bekommen sie Steine in den Weg gelegt. Warum?

Ich kenne einen Fall, da wurde eine behinderte junge Frau von ihrem Chef mit einem Gegenstand geschlagen und verletzt. Sie zeigte ihn bei der Polizei an, aber er leugnete es. Obwohl die Staatsanwaltschaft seine Schuld feststellte, wurde er nicht verurteilt. Er durfte sogar seine Arbeit behalten und die junge Frau musste gehen, obwohl sie keine Schuld hatte. So etwas darf nicht vorkommen!

In meinem Traum haben alle Menschen, egal ob behindert oder nicht die gleichen Rechte. Jeder darf die Schule seiner Wahl besuchen und lernen was möglich ist und was er möchte. Außerdem sollte es selbstverständlich sein, dass jeder einen Ausbildungsplatz bekommt und einen Job, indem er sich wohl fühlt und anerkannt ist. Ganz wichtig ist, dass alle nach ihren Fähigkeiten und nicht nach ihren Defiziten beurteilt werden. Es darf keine verschiedenen Klassen geben. Jeder muss so viel verdienen, dass er gut leben und sich einen Urlaub leisten kann. Auch behinderte Menschen müssen neben der Arbeit die Möglichkeit haben, ihren Hobbies nachzugehen. Musikunterricht, Theater-, Kino- oder Schwimmbadbesuch dürfen nicht am Geld scheitern. Wie alle anderen müssen auch Menschen mit Handicap selbst wählen, wo sie wohnen.

Ich wünsche mir, dass in der Presse viel mehr über behinderte Menschen berichtet wird. Die Betonung soll aber nicht auf der Behinderung liegen sondern die Persönlichkeit, der Mensch soll im Vordergrund stehen. Überhaupt finde ich es nicht gut, dass viele Behinderteneinrichtungen am Stadtrand sind. Das bedeutet für mich Aussonderung und die finde ich nicht gut. Ich bin der Meinung, dass alle Menschen gleiche Rechte haben und dass auch Menschen mit Handicap so sein dürfen, wie sie sind und dort sein dürfen, wo alle sind. Warum dürfen Kinder mit Down-Syndrom nicht mit anderen Kindern gemeinsam im Sportverein sein oder warum bekommen Urlauber Schadensersatz, wenn im gleichen Hotel auch behinderte Menschen Urlaub machen? Solche Geschichten liest man immer wieder in der Zeitung. Sie passen nicht zu meinem Traum!

Ich wünsche mir viele Filme, in denen auch Menschen mit verschiedenen Behinderungen zu sehen sind. Auch in Filmen sollte es „normal sein, verschieden zu sein“. Leider gibt es nur wenige Filme mit behinderten Menschen und dann haben sie auch noch oft eine Rolle, in der sie sich so dumm benehmen müssen. Viele Zuschauer denken, die müssen sich wegen ihrer Behinderung so dumm verhalten und lehnen diese Menschen weiter ab. Leider ist das Interesse für solche Filme auch nicht groß. Ich glaube aber, wenn es selbstverständlich ist, dass in vielen Filmen behinderte Menschen zu sehen sind, die sich ganz normal verhalten, wird es auch für die Zuschauer selbstverständlich.

Die Medien können viel dazu beitragen, dass alle Menschen gleich toleriert werden.

Dies ist mein Wunsch, das ist mein großer Traum!