Wie jedes Jahr bin ich gespannt darauf, ob über diesen Tag in den Medien berichtet wird.
Heißt es dann vielleicht wieder dass diese Menschen mit Down – Syndrom unter der Krankheit leiden?
Wird darüber berichtet, wie mühsam es ist, diese Kinder großzuziehen und wie sehr die Geschwister darunter leiden müssen.
Schon lange werden neun von zehn Föten abgetrieben, wenn während der Schwangerschaft festgestellt wird, dass eine Trisomie 21 vorliegt.
Nun gibt es den neuen Praena Test und es ist noch viel einfacher, das Down – Syndrom zu erkennen.
Sterben diese Menschen nun aus, weil keine Kinder mehr geboren werden?
Wird dieser Bluttest bald zur Regeluntersuchung für Schwangere?
Was ist, wenn sich die Eltern trotzdem für ihr Kind entscheiden?
Ich mag gar nicht daran denken, schließlich habe ich auch das Down – Syndrom.
Schon während der Nazizeit hat man versucht, uns auszurotten.
Dabei leben doch die meisten Menschen mit diesem Handicap trotzdem sehr gerne.
Sie sind meist fröhlich und auch zufrieden.
Ich kenne viele Familien, die trotzdem glücklich sind und ihre Kinder lieben.
Mein größter Wunsch ist es, dass die vielen Berührungsängste abgebaut werden.
Man sollte auch diese Kinder mit den Augen der Liebe betrachten und von vielen positiven Beispielen berichten.
Natürlich bin ich realistisch, habe ich keine rosarote Brille auf und weiß, dass alle Eltern sich Kinder ohne Behinderung wünschen.
Auch ich hätte lieber keine Trisomie 21. Aber ich kenne nur dieses Leben und weiß nicht, wie es mit 46 Chromosomen wäre.
Ich hatte ja das Glück, in dem Film „BE MY BABY“ die Hauptrolle zu spielen. Der Film kam so gut an, dass viele Zuschauer sich mehr oder weniger mit der jungen Frau mit Down – Syndrom identifizieren konnten. Im Filmgespräch wurde deutlich, dass viele zum Nachdenken angeregt wurden. Sie merkten, dass Menschen mit Down – Syndrom die gleichen Wünsche und Bedürfnisse haben, wie alle anderen auch.
Wie schön wäre es doch, wenn es viele solcher Filme gäbe!
Leider werden diese meist nach Mitternacht gesendet und können so kaum Zuschauer erreichen.
Aber zum Glück gibt es auch Veranstaltungen zu dem Thema. Am 17. März durfte ich an einer Veranstaltung von unserer Behindertenbeauftragten, der Grimme Akademie, den Medienanstalten und Sozialhelden zu dem Thema: „Inklusion im Fernsehen – Neue Perspektiven auf Behinderung“ mit Eckhart von Hirschhausen als Moderator teilnehmen. Da waren viele wichtige Medienleute und es gab auch gute Anregungen und vielleicht auch einen guten Anfang für mehr Inklusion.
Besonders freue ich mich auch darüber, dass ich oft vor Studenten über das Thema Down – Syndrom referieren darf. So kann ich einen kleinen Beitrag für Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft leisten.
Schön, dass viele Selbsthilfegruppen an diesem besonderen Tag Veranstaltungen organisiert haben. Hoffentlich können sie damit viele Menschen erreichen.
Ich habe eine Einladung nach Mainz bekommen und bin schon sehr gespannt darauf.
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Sind Kinder mit Down-Syndrom etwas Besonderes?
1. Juni 2013: Kinder, die besonders hilfsbedürftig sind werden oft als besondere Kinder bezeichnet. Es sind Kinder mit schweren Krankheiten oder Behinderungen. Diese Kinder sind etwas „anders“ und brauchen mehr Unterstützung. Ihr Leben verläuft nicht so, wie erwartet. Oft liest man, dass diese besonderen Kinder sich auch besondere Eltern aussuchen.
Ist es nun positiv, wenn man von besonderen Kindern spricht oder eher negativ? Schließlich kommen sie ja auch automatisch in besondere Einrichtungen wie Sonderkindergarten, Sonderschule, Wohnheim und Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Besondere Kinder sind also als Erwachsene nur noch Behinderte. Ich wollte nie etwas Besonderes sein. Ich möchte so sein, wie alle anderen auch und einfach dazugehören.
Was heißt eigentlich besonders? Man kann besonders klug oder dumm sein und auch besonders schön oder hässlich, groß, klein, dick, dünn, freundlich oder unfreundlich. Eigentlich passt besonders vor jedes Adjektiv. Es kann also positiv oder auch negativ sein. Für meine Mutter waren mein Bruder und ich immer gleich. Jeder Mensch ist doch besonders. Wenn sie gesagt hätte, dass mein Bruder so besonders ist, wäre ich sicherlich traurig gewesen. Oder mein Bruder hätte sich zurückgesetzt gefühlt, wenn ich für sie etwas Besonderes wäre. Vielleicht sind die Eltern traurig, wenn sie ein behindertes Kind bekommen und fühlen sich besser, wenn dieses Kind etwas Besonderes ist. Inklusion kann eigentlich nur funktionieren, wenn keiner besonders hervorgehoben wird sondern jeder so akzeptiert wird, wie er ist mit allen Stärken und Schwächen.
Leichte Sprache: Nur für Menschen mit Handicap?
17. November 2012: 2006 wurde das Netzwerk „leichte Sprache“ gegründet. Es sollte Menschen mit Lernschwierigkeiten die Teilhabe am öffentlichen Leben erleichtern und eine Ausgrenzung aus sprachlichen Gründen verhindern.
Als ich 2010 bei einer Inklusionsveranstaltung den ersten Vortrag in leichter Sprache hörte, war das sehr ungewohnt. Die Referentin meinte, dass es gar nicht so einfach ist, kurze Sätze zu bilden, keine Fremd- und Fachwörter zu verwenden und schwierige Wörter zu erklären.
Deutschland ist ja auch das Land der Dichter und Denker, da passt doch keine leichte Sprache – oder?
Bei einer Veranstaltung in Berlinerklärte ein Bundestagsabgeordneter, dass er regelmäßig ganz kurzfristig viele Texte und Entwürfe lesen und durcharbeiten muss. Einmal war er so sehr unter Zeitdruck, dass er froh war, dass es den Text auch in leichter Sprache gab. So konnte er sich schnell einarbeiten und fühlte sich trotzdem gut informiert.
Eine Professorin meinte, sie fühlt sich immer überfordert mit amtlichen Schreiben, deshalb freut sie sich, dass sie eine Freundin hat, die Juristin ist und ihr die Texte erklären kann.
Leichte Sprache ist also nicht nur für Menschen, die nicht so gut lesen können oder nicht so gut Deutsch können, wichtig. Leichte Sprache ist gut für alle Menschen!
Deshalb sollten vor allem Anträge, Verträge und amtliche Schreiben in leichte Sprache übertragen werden.
Zum Glück gibt es schon viele Texte und auch Bücher in leichter Sprache:
- Die UN-Konvention über Rechte behinderter Menschen
- Das Behindertengleichstellungsgesetz
- Texte auf der Homepage der Bundesregierung
- Texte auf der Homepage der Lebenshilfe usw.
Ich finde es auch schön, dass die Ohrenkussautorenportraits nun auch in leichte Sprache übersetzt wurden.
Das ist ein gutes Beispiel, dem andere folgen sollten.