Wie erleben Geschwisterkinder das Down-Syndrom Sportlerfestival?

20. März 2014: Seit 2003 findet einmal im Jahr ein Down-Syndrom Sportlerfestival der Firma Hexal in Frankfurt statt. Damals waren es 70 Sportler und 250 Gäste, inzwischen sind es bis zu 600 Sportler und fast 2.500 Gäste.

Eigentlich bin ich ja ein Inklusionsfan, trotzdem freue ich mich jedes Jahr auf das Down-Syndrom Sportlerfestival in Frankfurt. Das ist eine Veranstaltung, bei der nur Sportler mit Down-Syndrom teilnehmen dürfen. Es kommt gar nicht auf die Leistung an, „dabei sein ist alles“! Hier sind alle Sieger und bekommen eine Urkunde und eine Medaille.

Gerne erinnere ich mich noch an das erste Sportfest, damals war ein Kamerateam für den Film „VIER LEBEN“ (eines der vier Leben ist meins) dabei und Bobby und ich wurden beim Laufen gefilmt. Die Siegerehrung fand abends im Römer statt und ich habe einige Stücke auf dem Klavier vorgespielt. Mein Bruder fand es gut, dass es ein Sportfest dieser Art gab und hat wie immer viel fotografiert.

Geschwister fühlen sich zurückgesetzt

An diesem einen Tag im Jahr stehen wirklich nur diese Kinder im Mittelpunkt.
Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie das für die Geschwister ist. Ich war immer der Meinung, die dürfen ja überall sonst mitmachen und werden nie ausgegrenzt. Aber ist es nicht so, dass auch diese Kinder sich oft zurückgesetzt fühlen?

Die Eltern haben vielleicht nicht so viel Zeit für sie, weil ihre Kinder mit Handicap viel Zuwendung brauchen. Sie besuchen Therapien und haben das Gefühl, ihr behindertes Kind ständig fördern zu müssen.
Manchmal werden diese Kinder auch gehänselt, weil sie eine Schwester oder einen Bruder mit einer Trisomie 21 haben. Auch die Geschwisterkinder müssen lernen, damit umzugehen.
Deshalb finde ich es schön, dass beim Sportfest nun auch die Geschwister mit einbezogen wurden. Es soll auch für sie ein schöner Tag sein. Sie können am Spielangebot teilnehmen oder Kontakte zu anderen Geschwisterkindern knüpfen und sich austauschen. So entstehen auch Freundschaften. Besonders gerne lassen sie sich auch als Tiger oder Katze usw. schminken.

Wie immer waren auch viele Promis aus Film und Fernsehen da. Ich glaube auch, dass die Geschwister es genießen, Promis persönlich kennen zu lernen, sich mit ihnen zu unterhalten und Autogramme zu bekommen. Da werden sie bestimmt einige Freunde beneiden.

Ostern mit den „Wasserflöhen“ an der Costa Brava in Spanien

20. April 2012: Am 04. April ging es los. Marko, Markus, meine Mutter und ich machten uns auf den Weg. Wegen einem Streik startete unser Flugzeug erst um 23:00 Uhr statt um 18:50 Uhr. Um 02:00 Uhr kamen wir in unserem Apartment in Estartit an.

Dann begann eine wunderschöne Zeit gemeinsam mit Aquanaut Tauchern. Marko kümmerte sich rührend um Markus und mich.

Für mich war es sehr aufregend, zum ersten Mal mit einem Boot von Unisub hinaus zum Tauchplatz zu fahren. Auf dem Weg dorthin bauten wir unser Equipment zusammen. Dann ging es mit einem Schrittsprung ins kalte Wasser. Zum Glück hatte ich eine Eisweste und Handschuhe. Zum Abtauchen konnten wir uns vom Boot aus abseilen in die herrliche Unterwasserwelt. Das Riff  leuchtete in vielen verschiedenen Farben. Marko und ich bewunderten die vielen Fische. Unter anderem sahen wir Zweibindenbrassen, Goldbrassen, braune Zackenbarsche, einen großen Drachenkopf, Muränen, Fahnenbarsche, Meerbarben und sogar viermal einen Octopus. Am besten gefiel mir das Höhlentauchen, einmal entdeckten wir dort einen Delphin aus Stein.

Ostern hatten wir viel Spaß beim Ostereiertauchen, welche die  Crew von Unisub vorher ins Meer versenkt hatte.

Marko hat viele wunderschöne Erinnerungsfotos gemacht.

Besonders interessant war auch ein Ausflug nach Pals. Das ist ein wunderschöner mittelalterlicher Ort auf einem Hügel mit einer Burg, gepflasterten Straßen und einer Stadtmauer. Dort gibt es Geschäfte für Touristen, ein  sehr teures Restaurant und auch Leute, die dort wohnen. Für uns war die Aussicht ins Tal und auf das Meer besonders schön.

Am 11. April um 21:00 Uhr ging unser Heimflug von Girona los und um 1:30 Uhr waren wir zu Hause.

Schade, dass die Zeit so schnell vorbei war. Tauchen ist wirklich ein sehr, sehr schöner Sport und ich freue mich schon auf das nächste Mal.

Mit dem Tauchschein nach Ägypten

TK220. Januar 2012: Mein Bruder ist seit Jahren ein begeisterter Hobbytaucher. Immer wenn er seine Unterwasserfilme und Unterwasserfotos zeigte, wünschte ich mir auch so einen tollen Tauchurlaub. Deshalb war ich froh, als ich im Januar 2010 im Internet unter www.diewasserfloehe.de einen Verein für integrativen Tauchsport in Darmstadt entdeckte. Hier tauchen nicht nur erfahrene Sporttaucher, sondern auch Rollstuhlfahrer, Menschen mit Down–Syndrom, Autismus und anderen Einschränkungen. Jeder lernt nach seinen individuellen Leistungsfähigkeiten zu tauchen. Hier ist wirklich jeder willkommen, egal welche Behinderung er hat.

Am 23.01.2010 nahm ich am Schnuppertauchen im Griesheimer Schwimmbad teil. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und fühlte mich sehr wohl und akzeptiert in der Gruppe.

Weil es mir so viel Spaß machte, wurde ich Vereinsmitglied und tauche nun alle 14 Tage mit.

Zuerst war ich etwas unsicher, weil ich mit der normalen Maske kaum etwas sehen konnte (ich trage normalerweise eine Brille mit 6,5 bzw. 7 Dioptrien). Deshalb freute ich mich, als ich eine neue Maske mit optischen Gläsern bekam. Beim Training konnte ich nun alles sehen und auch richtig auf die Zeichen reagieren. Die Übungen machten mir sehr viel Spaß.

Am 30.01.2011 fuhren mein Bruder, meine Mutter und ich mit meinem Tauchlehrer zur Boot-Messe nach Düsseldorf. Hier kauften wir Boots und Geräteflossen für mich. Nun war ich richtig gut ausgestattet für mein Tauchtraining. Flasche und Jackett lieh ich mir bei den Wasserflöhen aus.

Ich machte so große Fortschritte, dass mein Tauchlehrer meinte: „Bisher hat noch keiner mit Down-Syndrom einen Tauchschein bei mir gemacht, aber Du schaffst das!“

Darüber war ich sehr froh und wir begannen gleich mit allen notwendigen Übungen: Aufbau, Prüfung und Anlegen der Ausrüstung, Druckausgleich, Tarieren, Maske ausblasen, Oktopusatmung, Notaufstieg, Tauchen ohne Maske, Bergen eines bewusstlosen Tauchers, Verständigung mit Unterwasserzeichen usw.

Um weitere Übungen für den (open water diver) Tauchschein zu machen, fuhren mein Tauchlehrer Marko, mein Bruder und ich am 13. Mai 2011 nach Siegburg ins Dive4Life, ein Tauchzentrum. Ich tauchte dort zum ersten Mal 18 Meter tief und entdeckte eine versunkene Stadt mit vielen Geheimgängen. Es war sehr aufregend, als wir einen Hai entdeckten, der täuschend echt aussah.

Für die notwendigen Freiwassertauchgänge  machten wir uns mehrmals auf den Weg zum Biebesheimer See. Dort war die Sicht nicht so gut, aber interessant war es doch. Auf einer Plattform entdeckten wir eine Schaufensterpuppe. Rund um uns herum waren kleine Fischschwärme und große Aale zu sehen.

Damit ich eine Vorstellung vom (open water diver) Tauchschein bekam, lieh Marko mir den Film „GO DIVE“ aus.

Ende August begannen Marko und ich mit dem theoretischen Unterricht bei Aquanaut in Darmstadt (einem Tauchzentrum, das die Wasserflöhe unterstützt).  Der Unterricht war sehr interessant und ich lernte viel über die Ausrüstung, Tauchtechniken, Physik, Medizin, Navigation und die Tauchtabelle. Das war aber gar nicht so einfach und ich musste viel lernen. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Prüfung (85 Fragen in 90 Minuten) schaffen würde. Aber dann war ich schon nach 60 Minuten fertig und hatte nur einen Fehler.

Marko war genau so glücklich wie ich, als er mir zur bestandenen Prüfung gratulierte. Als Belohnung bekam ich einen neuen Tauchanzug für den Urlaub im Roten Meer.

Dann kam auch noch ein Reporter vom Darmstädter Echo und interviewte uns.

Als der Artikel „Auf der Suche nach dem Clownfisch“ im Echo erschien, waren wir schon in Dahab in Ägypten und hatten nicht nur die Clownfische, sondern auch Adlerrochen, Blaupunktrochen, Stechrochen, Feuerfische, einen  Napoleonfisch mit seinem Jungen, Papageienfische,  Krokodilfische, Seepferdchen, Muränen, Seeschlangen und vieles mehr gesehen.

Die zwei fehlenden Tauchgänge für meinen Tauchschein machten wir gleich am ersten Tag. Das war schon was anderes, als im Schwimmbad oder im See. Die Unterwasserwelt ist wirklich wunderschön. Natürlich habe ich alle 24 Tauchgänge und sogar einen Nachttauchgang, der schon für meinen nächsten Tauchschein zählt, in mein Logbuch eingetragen.

Auf der Tauchbasis gab es keine Berührungsängste. Alle waren sehr nett zu mir und staunten, dass ich trotz Down-Syndrom einen Tauchschein habe.

Wie immer habe ich auch in Dahab darauf geachtet, ob ich Menschen mit Behinderung sehe.

Ich habe leider keine gesehen, obwohl sie dort sicher auch gerne Urlaub machen würden.

Als Erinnerung schaue ich mir die vielen Fotos und den Film an.

Nun träumen wir von einem Urlaub mit allen Wasserflöhen in Ägypten!

 

 

Sommerfest der Wasserflöhe

20. August 2011: Am 24. Juli 2011 feierten wir unser Sommerfest mit den „Wasserflöhen“. Das Wetter war leider nicht schön, aber zum Glück ist das Lager am Südring in einer großen Halle. Da konnten wir unsere Tische und Stühle aufstellen.

SFWF2Marko, Corinna  und Rüdiger hatten alles gut vorbereitet. Vor der Halle war ein Grill aufgestellt und unser Grillmeister Rüdiger grillte Steaks und Bratwürstchen. Wir brachten alle etwas Leckeres zum Essen mit (Kuchen, Kaffee, Salate, Getränke). Alles wurde schön auf einem Büffet angerichtet. Beim Essen führten wir auch nette Gespräche und hatten viel Spaß.

Trotz Regen hatten wir Sonne im Herzen und freuten uns über viele Gäste. Besonders schön war es, dass Marianne Aha und Sigi Berth von Aquanaut da waren. Schließlich haben  sie uns „Wasserflöhe“ immer unterstützt und dafür sind wir sehr dankbar.

SFWF1Nachdem  wir uns gestärkt hatten, erfreute  Flo uns  mit seiner Musik. Er spielte Gitarre und sang. Wir klatschten  dazu im Takt und sangen die bekannten Lieder mit. Er bekam viel Beifall. Wie immer fotografierte nicht nur ich viel. Es war ein sehr schöner Nachmittag, der viel zu schnell zu Ende ging und uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Mein erster 18 Meter tiefer Tauchgang

29. Mai 2011: Als wir auf der Bootmesse in Düsseldorf waren, entdeckten wir auch den Stand vom Dive 4life Indoor – Tauchcenter. Es war sehr interessant, was wir dort erfuhren, deshalb nahm Marko, mein Tauchlehrer gleich Kontakt auf. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, dort auch mal zu tauchen. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme. Mein Bruder als begeisterter Taucher wollte natürlich auch mitkommen.

tauchen4Am Freitag, den 13. Mai war es so weit. Mein Bruder und ich holten meinen Tauchlehrer Marko nach seinem Feierabend von der Helen Keller Schule ab und fuhren nach Siegburg. Ich war schon sehr gespannt, schließlich ist dort die größte derartige Tauchanlage in Europa. Als wir ankamen, schauten wir uns um und staunten, wie groß und schön es war. Dann zogen wir uns schnell um. Zuerst bauten wir Tarierjacket, Luftflasche und Oktopus zusammen. Dann gab es eine kurze Besprechung. Marko erklärte mir, welche Übungen er mit mir machen wollte. Dann zogen wir unsere Ausrüstung an und sprangen vom Beckenrand ins Wasser. Das war ein tolles Gefühl. Zum Abtauchen mussten wir die Luft aus dem Jacket rauslassen und Druckausgleich machen. Da ich bisher nur im Schwimmbad getaucht bin, war es mein erster 18 Meter tiefer Tauchgang. Besonders gut konnte ich deshalb das Tarieren üben. Wir tauchten durch eine versunkene Stadt, durch Höhlen und an einem Hai vorbei. Auf dem Boden war ein Ring. Dort versuchten wir immer wieder einen Handstand und eine Rolle zu machen. Zwischendurch machten wir eine Pause und gingen an die frische Luft. Dann kam der zweite Tauchgang.

Dieser Freitag, der 13. war mein Glückstag. Das Tauchen machte so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte.

Die Wasserflöhe

10. Dezember 2010: Mein Bruder ist ein begeisterter Taucher und Hobbyfilmer.  Als er von seinem Tauchurlaub schwärmte und seine Fotos und Filme von der wunderschönen Unterwasserwelt zeigte, bekam ich große Lust, auch zu tauchen. Deshalb surfte ich im Internet und entdeckte die Wasserflöhe, eine integrative Tauchgruppe. Ich meldete mich sofort zum Schnuppertauchen an. Wir trafen uns im Schwimmbad  Griesheim und ich wurde sehr freundlich von der Gruppe aufgenommen. Zuerst erklärte mir der Tauchlehrer Marko die Tauchsignale (Daumen hoch heißt auftauchen, Daumen runter heißt abtauchen, wenn man mit dem Daumen und dem Zeigefinger einen Kreis bildet, heißt das alles in Ordnung) .

Man darf immer nur zu zweit tauchen!

Dann bekam ich einen Tauchanzug, ein Jacket, eine Pressluftflasche, eine Tauchmaske und Flossen ausgeliehen. Natürlich brauchte ich Hilfe bei der Montage der Tauchausrüstung. Marko zeigte mir noch, wie man zum Abtauchen die Luft aus dem Jacket herauslässt und zum Auftauchen das Jacket mit dem Inflator wieder aufbläst.

Natürlich war ich ganz schön aufgeregt, als wir endlich abtauchten. Es war ein ganz tolles Gefühl und machte mir viel Spaß. Immer wenn Marko mit dem Daumen nach oben zeigte, wehrte ich ab und zeigte mit dem Daumen nach unten. Ich wollte nämlich nicht auftauchen.

Mein erster Tauchgang gefiel mir so gut, dass ich Mitglied bei den Wasserflöhen wurde.

Inzwischen habe ich auch einen eigenen Tauchanzug, Flossen und vor allem eine eigene Tauchmaske mit optischen Gläsern. Ich bin nämlich stark weitsichtig und konnte gar nicht richtig sehen, welche Übungen Marko mit mir machen wollte. Mit der neuen Tauchbrille ist das richtig gut und ich habe schon viel gelernt (Automaten aus dem Mund und wieder hinein nehmen, dem Tauchpartner Luft geben, die Maske ausblasen usw.). Manchmal spielten wir auch unter Wasser mit einer Frisbeescheibe, machten Eierlaufen (dabei hält man einen Tischtennisball mit einem Löffel unter Wasser),  tauchten durch Ringe und holten Figuren vom Schwimmbadboden hoch. Mein Tauchlehrer ist recht zufrieden mit mir und meint, dass ich im kommenden Sommer sicher den Tauchschein machen kann.

Bei unserem letzten Training bekam jeder eine Nikolausmütze aufgesetzt und eine Fotografin machte Bilder von der ganzen Gruppe. Tauchen mit einer Nikolausmütze ist wirklich lustig!

Nach dem Training gibt es immer eine kurze Besprechung, was gut war und was wir noch üben müssen. Danach verabschieden wir uns mit dem Spruch: „Taucher sind cool!“

Nun freue ich mich schon auf ein Unterwasserabenteuer  mit meinem Bruder im kommenden Sommer.