Inklusion im Fernsehen – Neue Perspektiven auf Behinderung (meine Gedanken dazu)

Früher bekam ich bei Castings immer zu hören: „ Tut mir leid, aber für unsere Zwecke bist Du leider nicht behindert genug!“
Als ich für ein Radiohörspiel vorsprach, hieß es:“ Du sprichst aber nicht, wie ein Mensch mit Down – Syndrom!“

Bei Christina Schiewe war das anders. Sie hat mich im Internet entdeckt und per Mail angefragt, ob ich Lust habe in ihrem Film „BE MY BABY“ die Hauptrolle zu spielen. Ich war begeistert und sagte sofort zu. Als ich dann das Drehbuch gelesen hatte, machte ich einen Rückzieher. Es war mir zu freizügig.
Darüber war Christina traurig und meinte, ich soll ihr doch meine Kritikpunkte schreiben. Das habe ich getan und sie hat meinetwegen das Drehbuch geändert. Frau Schiewe wollte mich unbedingt haben und hat an mein Talent geglaubt.

Also habe ich zugesagt. Die Dreharbeiten haben mir viel Spaß gemacht. Obwohl die Crew zunächst Bedenken hatte, ob sie den Zeitplan einhalten könnten. Aber die Bedenken waren schnell verflogen.

Ich war sehr glücklich, dass der Film so gut ankam und auf verschiedene Filmfestspiele eingeladen wurde und sogar Preise bekam.

Inzwischen habe ich eine Agentur, die mich vertritt und hoffe, bald weitere Rollenangebote zu bekommen.

Ich freue mich immer, wenn Dr. Klein im Fernsehen läuft und wünsche mir noch viel mehr Filme und Sendungen, in denen Menschen mit Handicap zu sehen sind.

Ich finde nämlich, wer gesehen wird, gehört dazu.

Mir gefiel auch die Sendung mit Kai Pflaume: „Zeig mir Deine Welt!“

Aber dann denke ich immer, dass es ja nur eine Welt gibt und in der leben Menschen mit und ohne Behinderung.
Menschen mit Behinderung gehören dazu und eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass sie auch in vielen Filmen, Serien, Talkshows oder Quizzshows zu sehen sind.

Dabei braucht die Behinderung gar nicht Thema sein. Warum sollte nicht ein Blinder mit seinem Hund über die Straße laufen oder ein Rollstuhlfahrer zu sehen sein.

Zurzeit ist Inklusion in der Schule ein großes Thema. Da wäre ein Film mit einer Inklusionsklasse doch toll.

Mein großer Traum ist es, eine Rolle auf dem Traumschiff zu bekommen und dann abzutauchen.

Die Medien haben wirklich einen großen Einfluss. Während meiner Schulzeit habe ich ein Praktikum bei einer Ärztin in der Praxis gemacht. Sie war sehr zufrieden mit mir und wollte mir eine Ausbildung ermöglichen. Aber dann hat sie den Bobby Film im Fernsehen gesehen und meinte, sie könnte mich doch nicht einstellen, weil sie gesehen hat, dass Menschen mit Down – Syndrom ja immer rumschreien.
Schauspieler ohne Behinderung werden für ihre schauspielerische Leistung bewundert, bei behinderten Schauspielern denkt man, die sind eben so.

Darum wünsche ich mir so sehr, dass sie sich auch in Filmen ganz normal verhalten dürfen.

Heute schon werden 9 von 10 Föten abgetrieben, wenn das Down – Syndrom während der Schwangerschaft festgestellt wird.
Nun gibt es den neuen Bluttest und ich befürchte, dass diese Menschen bald ganz aussterben werden.

Sicher würden Filme die ein positives Bild von Menschen mit Trisomie 21 zeigen, dabei helfen, die Berührungsängste abzubauen.

Am 21. März ist Welt Down – Syndrom Tag. Ob in den Medien wohl darüber berichtet wird?

BE MY BABY

BEMYBABY_ZDF

20. Oktober 2014: Es war schon immer mein größter Wunsch, einmal eine Rolle in einem richtigen Spielfilm zu bekommen. Ich dachte aber, dass es nur ein Traum bleiben würde.
 Doch dann bekam ich letztes Jahr im April tatsächlich eine Mail von der Regisseurin Christina Schiewe.
 Sie schrieb mir, dass sie gerade an einem Drehbuch über eine junge Frau mit Down-Syndrom schreibt und die Möglichkeit hat, schon bald diesen Film zu realisieren, nachdem sie schon jahrelang dafür gekämpft hatte.

Biberacher Filmfest: BE MY BABY gewinnt den Schüler- und den Publikumsbiber. (2. November 2014)
Die Regisseurin Christina Schiewe spricht über die Dreharbeiten. (Juli 2014)
Die Hauptdarsteller Florian Appelius und Carina Kühne beim Filmfest in München. (9. Juli 2014)

 

Der Film: Eine junge Frau mit Down-Syndrom, die sich ein Baby wünscht

Obwohl sie selbst keinen direkten Bezug zu diesem Thema hatte, fand sie es spannend, eine Geschichte über eine junge Frau mit Down-Syndrom zuschreiben, die sich ein Baby wünscht.

Zufällig hatte sie mein Blog im Internet entdeckt und Gefallen daran gefunden. Da sie eine talentierte Schauspielerin mit Down-Syndrom suchte, fragte sie mich, ob ich mir das zutrauen würde. 
Darüber freute ich mich sehr. Ich bekam das Drehbuch zugeschickt, um mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir vereinbarten dann einen Castingtermin bei uns zu Hause. Ich hatte einige Szenen aus dem Drehbuch gelernt und vorbereitet. Ich war begeistert und hatte viel Spaß dabei.

Als ich dann aber erfuhr, dass wie allgemein üblich noch mehr Schauspielerinnen mit Trisomie 21 zum Casting eingeladen waren, dachte ich, dass ich die Rolle sicher doch nicht bekommen würde. Schließlich hatte ich im Gegensatz zu meinen Mitbewerberinnen noch keinerlei Filmerfahrungen außer dem Dokumentarfilm „Vier Leben“ von Cornelia Thau.

Doch dann bekam ich schon sehr schnell eine Zusage und nun mussten die anderen Rollen in dem Film noch besetzt werden. Deshalb fuhren wir zu vielen verschiedenen Castings nach Berlin, Köln, Frankfurt und Stuttgart. Ich lernte viele tolle Schauspieler kennen und durfte mit Ihnen spielen. Das war ein tolles Erlebnis. Alle Schauspieler müssen natürlich gut zueinander passen und miteinander harmonieren.

Dreharbeiten mit Regisseurin Christina Schiewe

Als die passenden Schauspieler ausgesucht waren und der Drehort gefunden war, begannen die Dreharbeiten im September in der Nähe von Stuttgart.
 Das waren ganz besondere Erfahrungen für mich. Ich staunte nicht schlecht, wie viele Leute doch an einem Film arbeiten müssen und alle sind sehr wichtig. Neben der Regisseurin gab es außer den Schauspielern eine Produktionsleitung, eine Aufnahmeleitung, eine Kamerafrau, eine Tontechnikerin, die Szenenbildner, Requisiteure, Kostümbildner, Maske, Beleuchter, alle mit ihren Assistenten, Fahrer und Komparsen.
Bevor mit den Dreharbeiten begonnen werden konnte musste alles gut vorbereitet sein.

Dann gab es eine Stellprobe und erst danach musste jede Szene mehrmals aus verschiedenen Perspektiven gedreht werden. Manche Szenen mussten auch wiederholt werden, weil es Störgeräusche gab oder weil die Sonne mal mehr oder mal weniger stark schien und die Filter deshalb gewechselt werden mussten usw. Manchmal musste auch etwas wiederholt werden, weil die Regisseurin meinte, dass wir Schauspieler die Szene noch besser oder anders spielen sollten.
 Obwohl den ganzen Tag gedreht wurde, schaffte man nur ein paar Minuten fertigen Film pro Tag.

Da die meisten Leute von der Crew bislang noch nicht mit Menschen mit Down-Syndrom zusammengearbeitet hatten, waren sie zu Anfang ein wenig unsicher, wie sie mit mir umgehen sollten. Das hat sich aber ganz schnell gelegt. Ich wurde ganz normal behandelt, wie alle anderen auch und konnte zeigen, dass auch Menschen mit Handicap etwas leisten können. Ich hatte sehr viel Spaß an den Dreharbeiten und bin schon gespannt auf den fertigen Film. Leider muss man sich auch nach den Dreharbeiten noch lange gedulden. Schließlich muss der Film noch geschnitten werden und die Filmmusik muss noch dazu kommen. Aber nun ist er fertig und die Weltfilmpremiere war am 29.06.2014 um 14.30 Uhr im Kino ARRI bei den Filmfestspielen in München. 
Es ist eine Komödie, die von der „Zum goldenen Lamm“ Filmproduktion mit der ZDF – Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ produziert und von der MFG Baden–Württemberg gefördert wurde.

Meine Rolle: Nicole

Ich spiele die Nicole, eine 18jährige junge Frau mit Down-Syndrom, die unbedingt ganz normal heiraten und eine Familie gründen möchte. Als Nicole schwanger ist, muss sie gegen sehr viele gesellschaftliche Widerstände ankämpfen.
 In dem Film sind auch bekannte Schauspieler zu sehen: 
Christina Große, Gitta Schweighöfer, Holger Stockhaus, Paul Fasßnacht, Cornelia Köndgen, Florian Appelius, Nico Randel, Volker Muthmann, Attila Borlan, Heidemarie Brüny, Cornelia Gröschel, Nele Winkler und Jan – Patrick Kern.
 Der Film BE MY BABY regt auch zum Nachdenken an und greift Tabus auf. Menschen mit Down-Syndrom haben zwar ein Recht dazu, wie alle anderen auch zu heiraten und eine Familie zu gründen; aber bis unsere Mitmenschen das tolerieren, brauchen wir noch viel Aufklärung und Umdenken in unserer Gesellschaft. Ich hoffe, dass dieser Film dazu beiträgt.

Es ist ein sehr emotionaler Film der hoffentlich von vielen Menschen gesehen wird und auch gut bei den Zuschauern ankommt. Das wäre sehr schön!
 Nach der Premiere soll der Film noch auf nationale und internationale Festivaltour gehen und hoffentlich zeigt auch ein Kinoverleih Interesse, bevor er im ZDF ausgestrahlt wird.
 Die Regisseurin Christina Schiewe hat mich entdeckt und glaubt an mein Talent.
 Mir hat die Schauspielerei sehr gut gefallen und ich hoffe, dass ich noch weitere Rollenangebote bekomme.

Wie erleben Geschwisterkinder das Down-Syndrom Sportlerfestival?

20. März 2014: Seit 2003 findet einmal im Jahr ein Down-Syndrom Sportlerfestival der Firma Hexal in Frankfurt statt. Damals waren es 70 Sportler und 250 Gäste, inzwischen sind es bis zu 600 Sportler und fast 2.500 Gäste.

Eigentlich bin ich ja ein Inklusionsfan, trotzdem freue ich mich jedes Jahr auf das Down-Syndrom Sportlerfestival in Frankfurt. Das ist eine Veranstaltung, bei der nur Sportler mit Down-Syndrom teilnehmen dürfen. Es kommt gar nicht auf die Leistung an, „dabei sein ist alles“! Hier sind alle Sieger und bekommen eine Urkunde und eine Medaille.

Gerne erinnere ich mich noch an das erste Sportfest, damals war ein Kamerateam für den Film „VIER LEBEN“ (eines der vier Leben ist meins) dabei und Bobby und ich wurden beim Laufen gefilmt. Die Siegerehrung fand abends im Römer statt und ich habe einige Stücke auf dem Klavier vorgespielt. Mein Bruder fand es gut, dass es ein Sportfest dieser Art gab und hat wie immer viel fotografiert.

Geschwister fühlen sich zurückgesetzt

An diesem einen Tag im Jahr stehen wirklich nur diese Kinder im Mittelpunkt.
Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie das für die Geschwister ist. Ich war immer der Meinung, die dürfen ja überall sonst mitmachen und werden nie ausgegrenzt. Aber ist es nicht so, dass auch diese Kinder sich oft zurückgesetzt fühlen?

Die Eltern haben vielleicht nicht so viel Zeit für sie, weil ihre Kinder mit Handicap viel Zuwendung brauchen. Sie besuchen Therapien und haben das Gefühl, ihr behindertes Kind ständig fördern zu müssen.
Manchmal werden diese Kinder auch gehänselt, weil sie eine Schwester oder einen Bruder mit einer Trisomie 21 haben. Auch die Geschwisterkinder müssen lernen, damit umzugehen.
Deshalb finde ich es schön, dass beim Sportfest nun auch die Geschwister mit einbezogen wurden. Es soll auch für sie ein schöner Tag sein. Sie können am Spielangebot teilnehmen oder Kontakte zu anderen Geschwisterkindern knüpfen und sich austauschen. So entstehen auch Freundschaften. Besonders gerne lassen sie sich auch als Tiger oder Katze usw. schminken.

Wie immer waren auch viele Promis aus Film und Fernsehen da. Ich glaube auch, dass die Geschwister es genießen, Promis persönlich kennen zu lernen, sich mit ihnen zu unterhalten und Autogramme zu bekommen. Da werden sie bestimmt einige Freunde beneiden.