Geistig behindert – was bedeutet das?

9. Mai 2014: Weil Menschen mit Down-Syndrom immer automatisch als geistig behindert bezeichnet werden, habe ich mich mal damit beschäftigt, was das eigentlich bedeutet. Dabei habe ich festgestellt, dass es gar keine eindeutige Definition gibt.

Georg Feuser sagt sogar: „Geistigbehinderte gibt es nicht!“

Andere sagen: „Behindert ist, wer behindert wird!“

Oder:  „Behindert ist, wer sich behindert fühlt!“

Die Einschränkung der Lernfähigkeit eines Menschen wird als geistige Behinderung bezeichnet.

Leider schaut unsere Gesellschaft immer nur auf die Defizite dieser Menschen und vergisst, dass sie auch Stärken haben.

Um festzustellen, wie groß der Schweregrad der Behinderung ist, werden Tests gemacht. Sie geben aber nur die momentane Situation wieder und man weiß nicht, wie die Entwicklung bei guter Förderung sein wird.

Bei einem niedrigen IQ-Wert geht man davon aus, dass dieser Mensch bildungsunfähig ist. Ich bin der Meinung, dass man bei allen Menschen die Möglichkeit sehen sollte, dass sie eine gewisse Bildungsfähigkeit haben.

Leider ist unser Schulsystem so, dass oft auch Hochbegabte nicht als solche erkannt werden und in eine Sonderschule kommen.

Sind wir nicht alle mehr oder weniger behindert?

Die Leistungsfähigkeit eines Menschen ist immer von verschiedenen Faktoren abhängig. Wenn er in einer Umgebung lebt, in der man ihm nichts zutraut und ihn fremdbestimmt, wird er auch keine Selbständigkeit erlangen. Geht man auf seine Bedürfnisse ein und gibt ihm die Zeit, die er braucht um zu lernen oder die Unterstützung, die er braucht, so wird er auch eine gewisse Selbstständigkeit erlangen können.

Leider wird „behindert“ auch ganz oft von Jugendlichen als Schimpfwort benutzt.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass viele betroffene Menschen die Bezeichnung „geistig behindert“ als Stigmatisierung und Diskriminierung empfinden. Leider fühlen sie sich ausgegrenzt.

Dabei hört man auch immer wieder: „Sind wir nicht alle mehr oder weniger behindert?“

Das glaube ich auch und die meisten Menschen werden irgendwann im Laufe ihres Lebens behindert sein.

Brauchen Kinder mit Down-Syndrom eine strenge Erziehung?

30. Juni 2013: Kinder mit Down-Syndrom fallen meist auf, weil sie etwas anders aussehen. Deshalb werden sie besonders beobachtet. 
Man sagt ihnen nach, dass sie distanzlos sind.
Manchmal beobachte ich wie unsere Mitmenschen auf sie reagieren.

So lange die Kinder klein sind, findet man sie niedlich und lacht über sie. 
Manche Eltern lassen sie einfach laufen, weil sie denken, die Kleinen verstehen mich sowieso nicht und können gar nicht hören. Wenn sie ihren Kindern etwas verbieten, weil sie im Restaurant z. B. zu laut sind oder Fremde belästigen, heißt es nur: „Ach lassen Sie doch, das macht doch nichts!“
 Bei einem Kind ohne Handicap wäre das sicher anders.

Irgendwann werden auch Kleinkinder mit Down-Syndrom größer und die Leute finden es gar nicht mehr gut, wenn sie angefasst oder durch das Verhalten der Kinder gestört werden.
 Sicher erfordert es viel Geduld und Konsequenz, Kindern mit einer Trisomie 21 Grenzen zu setzen, aber sie können bis zu einem gewissen Grad auch lernen Regeln einzuhalten und Rücksicht zu nehmen. 
Das ist sehr hilfreich für die Akzeptanz und Inklusion in der Freizeit, dem Kindergarten, der Schule und auch der Arbeitswelt. Immer wird ein gutes Sozialverhalten erwartet.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass von der Gesellschaft nicht erwartet wird, dass diese Kinder sich total anpassen. Sie sind nun mal etwas anders und brauchen Toleranz und Verständnis um dazu zu gehören.
Wie Richard von Weizsäcker schon gesagt hat: „Es ist normal verschieden zu sein!“
 Ganz bestimmt können wir alle nicht nur miteinander sondern auch voneinander lernen. 
Die meisten Menschen mit Down-Syndrom sind nämlich sehr empfindsam ihren Mitmenschen gegenüber.

Kinderwunsch? – Paare mit Down-Syndrom als Eltern?

21. Juni 2013: Schon als ganz junges Mädchen habe ich in jeden Kinderwagen geschaut und war ganz verrückt nach kleinen Kindern. 
Für mich war es klar, dass ich auch mal ein Baby haben würde.
Je älter ich werde, desto nachdenklicher werde ich. Schließlich habe ich eine Chromosomenanomalie, die ich vererben kann. 
Bei Paaren mit 46 Chromosomen kann es zu einer freien, nicht erblichen Trisomie 21 beim Kind kommen.

Natürlich setze ich mich für ein Lebensrecht dieser Kinder ein und es macht mich traurig, dass so viele Föten abgetrieben werden.
 Wenn Eltern sich heute für ein behindertes Kind entscheiden, haben sie es nicht leicht in der Gesellschaft. Sie werden oft gefragt: „Musste das denn sein?“
 Wie reagieren unsere Mitmenschen eigentlich, wenn Paare mit Down-Syndrom Kinder bekommen?
 Männer mit Down-Syndrom galten ja bisher als unfruchtbar. Inzwischen gibt es aber Einzelfälle, die das widerlegen.

Es gibt einige Frauen mit Down-Syndrom, die ein Kind geboren haben. Vielleicht gibt es auch Paare mit einer Trisomie 21, die ein Kind haben. Ich weiß es nicht.
 Aber ich frage mich, ob ich das verantworten kann. Schließlich haben alle Zellen ein zusätzliches Chromosom und die Möglichkeit, dieses zu vererben ist doch recht groß. 
Die Wissenschaftler sind zwar der Meinung, dass die Chancen für ein Paar mit Down-Syndrom ein Kind zu bekommen recht niedrig sind und die Wahrscheinlichkeit ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen auch.
Früher wurden Menschen mit Behinderung oft zwangssterilisiert. Ich finde es gut, dass dies nun nicht mehr möglich ist.

Wenn Paare mit Handicap ihren Kinderwunsch verwirklichen, übernehmen sie eine große Verantwortung. Deshalb sollte man sie vorher gut beraten und ihnen bei der Entscheidung helfen.
Ich habe gelesen, dass eine Frau mit Down-Syndrom, die mit einem Mann mit 46 Chromosomen verheiratet war auch einen Abbruch vornahm, weil sie kein Kind mit Down-Syndrom haben wollte. Ihr Wunsch nach einem nicht behinderten Kind ging dann doch in Erfüllung.
Eltern mit Handicap sind oft schon bei einem nicht behinderten Kind überfordert und sollten deshalb unbedingt jede Unterstützung bekommen, die möglich ist.
Kinder mit Down-Syndrom können mit einer guten Förderung nämlich viel erreichen.