Meine Liebe zur Musik

23. April 2012: Musik verbindet. Freude an Musik haben Menschen mit und ohne Handicap. Für mich war Musik schon immer sehr wichtig.

Wie viele Säuglinge und Kleinkinder mit Down-Syndrom wollte ich nicht essen. Zum Glück habe ich einen großen Bruder, der Klavier spielte. Mit Musik klappte das Essen und mein armer Bruder musste immer Klavier spielen.

Als ich kaum stehen konnte, zog mich das Klavier magisch an und ich klimperte mit Begeisterung darauf herum.

Im evangelischen Regelkindergarten kam der Pfarrer jede Woche einmal mit seiner Gitarre um mit uns Kinderlieder zu singen. Ich war genau so begeistert, wie alle anderen Kinder in meiner Gruppe.

Auch die Musiktherapie machte mir viel Spaß.

Als ich eingeschult wurde, wollte die Musiklehrerin der Schule auf keinen Fall die Integrationsklasse unterrichten, weil sie große Bedenken hatte. Schon nach ganz kurzer Zeit überlegte sie es sich und ich durfte sogar bei Aufführungen mitmachen!

Weil ich so begeistert von Musik war, meldete meine Mutter mich zur „musikalischen Früherziehung“ an. Hier war ich mit nicht behinderten Kindern zusammen. Die Musiklehrerin meinte, ich würde gar nicht „rausfallen“ aus der Gruppe.

Einmal in der Woche kamen Schüler zum Flötenunterricht zu meiner Tante. Ich durfte immer dabei sein und zuhören.

Eines Tages lief ich einfach vor die Haustür und klingelte. Als meine Tante öffnete, sagte ich: „Ich bin die Flötenkinder!“

Und ich bekam tatsächlich Flötenunterricht! Bald konnte ich mit den anderen Flötenkindern ohne Handicap mehrstimmig spielen. Es machte uns und unseren Zuhörern viel Freude, wenn wir auf Veranstaltungen spielten. Die Musik hat uns verbunden.

Später bekam ich auch Klavierunterricht von meiner Tante. Der Unterricht macht mir auch viel Freude und ich bin immer sehr froh, wenn ich vor Publikum spielen kann und meine Musik gut gefällt. Da springt der Funke über und mein Handicap gerät in Vergessenheit.

Ich liebe klassische Musik und gehe gern ins Theater um Musicals, Opern oder Operetten anzusehen. Wie immer achte ich darauf, ob ich Menschen mit Behinderung sehe. Leider sehe ich nur selten welche.

Meine Kusine spielt die erste Geige in einem Orchester und ich freue mich immer wenn sie Konzerte geben.

Mir ist aufgefallen, dass dort fast zu jedem Konzert eine schwerstbehinderte junge Frau im Rollstuhl unter den Zuhörern ist. Sie kann sich nicht bewegen und klatschen, trotzdem sieht man an ihren Augen, wie gut es ihr gefällt.

Natürlich mag ich auch moderne Musik und würde mir wünschen, dass es viel mehr Veranstaltungen gibt, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung teilnehmen können.

Konzert in der Helen Keller Schule

19. April 2011: Als mein Tauchlehrer bei unserer Fahrt zur Bootmesse erfuhr, dass ich Klavier spiele und schon mehrere Konzerte gegeben habe, fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, mal ein Konzert an der Schule zu geben, wo er arbeitet.

Konzert Helen Keller SchuleWeil mir das Spielen vor Publikum sehr viel Freude bereitet, sagte ich gerne zu. Zusammen mit meiner Tante und Klavierlehrerin stellte ich ein schönes Programm zusammen. Normalerweise spiele ich auf einem Klavier oder beim Vorspiel auf einem Flügel. In der Schule sollte ich auf einem E-Piano spielen. Deshalb war ich sehr froh, dass ich das Instrument schon einige Tage vorher ausprobieren konnte und gut damit zurecht kam.

Am 8. April um 10:30 Uhr war es dann so weit. Wie immer spielte ich mich vor Beginn der Veranstaltung noch ein, als der Rektor und seine Stellvertreterin in den Raum kamen, meine Tante, meine Mutter und mich begrüßten und noch mal den Ablauf erklärten.

Dann füllte sich der Saal und alle wurden vom Schulleiter begrüßt. Anschlißend führte die Musiklehrerin Frau Muhl durch das Programm.

Zuerst hörten wir die kleinen Kinder vom Schulchor.

Dann bat Frau Muhl mich auf die Bühne und stellte mich vor. Sie sagte auch jedes Stück einzeln an und  ich begann mit dem Programm. Die Schüler, Lehrer und Erzieher waren sehr aufmerksam und klatschten begeistert

Ich spielte nicht nur klassische sondern auch moderne, flotte Stücke.

Als mein Programm zu Ende war, bedankten sich die Musiklehrerin und der Schulleiter bei mir und ich bekam einen  wunserschönen Blumenstrauß und einen Pralinenkasten. Darüber freute ich mich sehr und sagte auch noch ein paar Dankesworte.

Zum Schluss sangen die großen Schüler vom Schulchor. Das war sehr mitreißend und wir klatschten alle im Takt dazu.

Weil meine Mutter wie immer furchtbar aufgeregt war, gab sie meinem Tauchlehrer Marko meinen Fotoapparat und der machte viele schöne Bilder.

Von allen Seiten bekam ich viel Lob und auch der Rektor und seine Vertreterin meinten, dass mein Programm sehr abwechslungsreich war und ihnen sehr gut gefallen hat.

Besonders freute ich mich darüber, dass Marko mir auch sagte, wie schön ich gespielt habe. Es war ja schließlich seine Idee, dass ich an der Helen Keller Schule in Rüsselsheim gespielt habe.

Aber am wichtigsten war für mich, dass meine Tante und Klavierlehrerin mit mir sehr zufrieden war. Als besondere Überraschung bekam ich von ihr einen wunderschönen Ring und einen Anhänger dazu.

Es war für mich ein ganz besonders gelungener Tag.

Konzert im Wetzlarer Dom

28. März 2011: Meine Kusine Ariane Köster ist Konzertmeisterin und Solistin im Jungen Sinfonieorchester Wetzlar und ich freue mich immer sehr über die Konzerte.
 Am Sonntag, den 20. März 2011 war es wieder soweit. Diesmal spielten sie im Wetzlarer Dom, weil  sie für das Konzert die Orgel brauchten. Wir hatten unsere Plätze ganz vorne in der ersten Reihe und konnten gut das ganze Orchester überblicken und genau sehen, wie konzentriert alle spielten.

Hier ist das Programm:

  1. Ralph Vaughan-Williams
(1872- 1952)
Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis für zwei Streichorchester

Der Komponist teilt die Streicher hier in zwei separate Orchester, ein größeres und ein kleineres.
 Das kleinere Orchester spielt manchmal ein Echo. 
Ein Quartett aus dem großen Streichorchester bereichert die Fantasie zusätzlich mit einzelnen Soli.

  1. Francis Poulenc
(1899-1963)

Concerto in g-Moll
für Orgel, Streichorchester und Pauken
Andante-Allegro giocoso
Andante moderato
Allegro molto agitato

Orgel – Frank Scheffler

Dieses Konzert wechselte immer zwischen Leichtigkeit und  Ernst.
Besonders gut gefiel mir der Wechsel zwischen Orgel und Orchester.
Poulenc  sagte von sich selber, dass er die Welt der Pfarrer und die der Taugenichtse kenne und liebe und dies in seiner Musik zum Ausdruck bringt.

  1. Camille Saint – Saens 
(1835-1921)

Sinfonie Nr. 3c –Moll op. 78
„Orgelsinfonie“

Teil I
 Adagio – Allegro moderato – Poco Adagio

Teil II
 Allegro moderato – Presto – Allegro moderato – Maestoso

Diese Sinfonie war wahnsinnig beeindruckend und emotional. Teilweise war sie richtig gewaltig und Furcht erregend. Der Zorn Gottes sollte zum Ausdruck gebracht werden.
Es ist sicher ungewöhnlich, eine Orgel in einer Sinfonie zu verwenden, aber dieses Konzert war so großartig, dass es vom Publikum mit Standing Ovation und nicht endendem Applaus belohnt wurde.

Leitung – Oliver Blütgen

Besonders stolz war ich natürlich wieder auf meine Kusine, die bravourös wie immer nicht nur ihre Soli auf der Violine gespielt hat.

Mein Klavierunterricht

2. März 2011: Heute möchte ich über meinen Klavierunterricht berichten. Musik war schon immer sehr wichtig für mich. Ich habe zuerst das Flötenspiel erlernt und vor 8 Jahren mit dem Klavierspiel begonnen. Ganz so leicht wie das Flötenspiel  fällt mir das Klavierspiel nicht. Trotzdem habe ich schon sehr viel gelernt. Ich muss mich sehr konzentrieren und viel üben.

Meine Tante erklärt mir mit viel Geduld alles mehrere Male. Ich freue mich über jedes Stück, das ich fehlerfrei und ausdrucksvoll spielen und vor Publikum vortragen kann. Meist werden die Stücke, die mir am meisten Mühe bereitet haben schnell zu meinen Lieblingsstücken. 
Bei neuen Musikstücken muss ich zunächst auf die Vorzeichen und den Takt achten. Dann übe ich Stück für Stück die Melodie  der rechten Hand. Erst wenn ich alles gut kann, kommt die linke dran. Ganz langsam folgt nun das Zusammenspiel mit beiden Händen. Zum Schluss muss ich auf die Dynamik achten, damit es richtig schöne Musik wird.

Zurzeit übe ich eine Bagatelle von Ludwig van Beethoven. Es ist ein wunderschönes, aber nicht ganz einfaches Stück. Inzwischen kann ich schon 2/3 des Stückes. Ich werde fleißig üben damit ich es bald ganz beherrsche. Ich freue mich schon sehr, wenn ich es bei meinem nächsten Konzert am 8. April ins Programm übernehmen kann.