Meine Erfahrungen bei der Jobsuche

24. November 2011: Weil ich unbedingt einen richtigen Beruf erlernen möchte, habe ich schon über einhundert Bewerbungen geschrieben. Leider bekomme ich meist Absagen oder gar keine Antworten. Deshalb habe ich schon viele befristete Praktika absolviert oder ehrenamtlich gearbeitet.

Selbst in Einrichtungen, wo behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden, hört der Inklusionsgedanke offenbar mit der Kindergartenzeit auf. Auch Arbeitgeber, die selber Kinder mir Down-Syndrom haben, sind oft nicht bereit, einen Menschen mit Behinderung einzustellen. Einmal bekam ich zu hören; „Solange mein Kind keinen Arbeitsplatz hat, bin ich nicht bereit, jemanden mit Down-Syndrom einzustellen.“

Während eines Praktikums in einer Arztpraxis war die Ärztin mit mir sehr zufrieden und stellte mir einen Ausbildungsplatz in Aussicht.  Am Wochenende sah sie einen Film mit Bobby Brederlow. Leider erkannte sie nicht seine schauspielerische Leistung an, wie es sicher bei einem normalen Schauspieler der Fall gewesen wäre. Am Montag erklärte sie mir, dass sie mich leider doch nicht einstellen könnte, weil Menschen mit Down-Syndrom sich so unmöglich verhalten und deshalb untragbar sind.

Ich bekomme oft Anfragen, ob ich in Filmen oder bei Radiohörspielen mitmachen mag, in denen es um Behinderung geht.

Da ich mich sehr für Inklusion einsetze und auch festgestellt habe, dass die Medien einen großen Einfluss haben, habe ich mich dazu bereit erklärt.

Nach dem Casting heißt es oft: „Es tut uns leid, das klingt jetzt vielleicht doof, aber für unsere Zwecke bist Du leider nicht behindert genug!“

Wenn ich mich um einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft bewerbe, heißt es: „Mit dem Down-Syndrom sind Sie zu behindert.“

Aus lauter Frust und Betroffenheit habe ich nun einen Minijob angenommen.

Ich frage mich nur: „Wo bleibt da die Inklusion?“

Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses

Am 15. und 16. August 2011 besuchte ich einen Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz.

EHK1Als ich morgens um 8.00 Uhr dort hinkam, war ich schon sehr gespannt und auch etwas aufgeregt. Bei der Anmeldung hatte ich nichts von meiner Behinderung erwähnt.

Würde man mir das Down-Syndrom ansehen und mich vielleicht gleich wieder nach Hause schicken? Aber meine Befürchtungen waren unbegründet.

EHK4Frau Heil begann vollkommen selbstverständlich mit der Ausbildung. Die anderen Teilnehmer hatten früher schon solche Kurse absolviert, für mich war es etwas ganz Neues.

Wir lernten richtiges Verhalten in Notfällen. Dazu gehörten viel Theorie aber auch praktische Übungen.

 

EHK2Es machte mir sehr viel Spaß, besonders die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Aber die Herzdruckmassage war schon ganz schön anstrengend. Da ist es gut, wenn man zu zweit ist. Dann kann man sich bei den 30 Druckmassagen und zwei Beatmungen immer abwechseln. Wir bekamen auch noch ein Handbuch zur Ersten Hilfe. Dort kann ich jetzt immer nachschlagen und meine Kenntnisse auffrischen.

EHK3Ich werde nun regelmäßig darin lesen und die praktischen Übungen wiederholen. Als ich die Teilnahmebescheinigung für meinen Erst-Hilfe-Lehrgang in den Händen hielt, war ich sehr glücklich.

Zum Schluss outete ich mich. Ich erzählte, dass ich das Down-Syndrom habe  und bedankte mich für den tollen Unterricht. Ich erzählte, dass ich mich sehr für Inklusion einsetze und bei diesem Kurs wirkliche Inklusion erfahren habe.

Die Kursleiterin war angenehm überrascht und meinte, es wäre sehr schade, dass so wenige Teilnehmer da waren. Es wäre sicher für alle eine Bereicherung gewesen.

Ich würde mir wünschen, dass diese Kurse kostenlos und für alle Menschen Pflicht werden.

Frühling an der Bergstraße

14. April 2011: Jedes Jahr freue ich mich auf den Frühling. Nach diesem langen kalten Winter konnte ich ihn kaum erwarten und nun ist er endlich da!

FaB2Überall blüht es, die Sonne scheint und die Vögel zwitschern.

Es macht richtig Spaß, mit meinem Schäferhund spazieren zu gehen. Am Weg blühen die Kirsch- und Mandelbäumchen, die Forsythien und in den Vorgärten blühen die Narzissen, Krokusse und Hyazinthen.

Es ist wunderschön und wir konnten uns bei dem herrlichen Wetter schon im Garten sonnen!

Wenn es so schön bleibt, können wir bald mit unserer Familie grillen.

Mein Bruder genießt das schöne Wetter auch und manchmal fahren wir gemeinsam mit seinem Motorrad die Bergstraße entlang und bewundern die schöne Natur.

FaB3Nun ist ja auch bald Ostern. Am Wochenende werden wir Ostereier an die Sträucher hängen und die Wohnung schmücken.

Wenn im Frühling die Sonne scheint und alles blüht, singe ich gerne Frühlingslieder und muss an viele Gedichte denken, die ich einmal gelernt habe.

Wenn wir mit unseren Verwandten in Kiel telefonieren, können die gar nicht glauben, dass es bei uns schon so schön blüht. Dabei sind die ersten Blüten schon verblüht und der Flieder blüht sogar schon.

Im Frühling machen wir gerne Ausflüge. Am liebsten besuche ich die Tiere im Zoo.

Nun kommt wieder die Zeit, in der man draußen Tischtennis, Boccia oder Federball spielen kann. Ich werde mein Rad aus der Garage und meine Inline – Skater vom Boden holen und durch die Gegend düsen.

Wir werden jetzt wieder öfter zur Tannenburg und zum Lufthansa Schulungszentrum wandern und die schöne Aussicht bewundern. Bei schönem Wetter und klarem Himmel kann man sogar bis Frankfurt schauen und sehen, wie die Flugzeuge starten und landen.