Nur ein Taschengeld in der Behinderten-Werkstatt

26. August 2012: Warum bekommen Menschen mit Behinderung nur ein Taschengeld, wenn sie in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten?

Ich habe einige Freunde, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten. Sie müssen sehr früh aufstehen, weil sie sie von einem Bus abgeholt werden, der nicht direkt zur Werkstatt fährt sondern erst alle Kollegen einsammelt. Natürlich sind sie sehr fleißig und arbeiten acht Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche. Jeder bemüht sich, seine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Trotzdem bekommen sie nur ein Taschengeld in Höhe von

75,00 € bis 200,00 € im Monat. Davon müssen sie sich  Kleidung und Körperpflegemittel kaufen.

Für einen Theaterbesuch, einen Kinobesuch, einen Café- oder Restaurantbesuch bleibt nicht viel übrig. Wenn ihre Eltern sie nicht unterstützen können, gibt es auch nicht die Möglichkeit für sie in Urlaub zu fahren. Schließlich müssen sie auch für ihre Betreuung bezahlen.

Eine Freundin von mir wohnt in einem Behindertenwohnheim und bekommt auch schon eine Rente, weil sie über zwanzig Jahre in der Werkstatt arbeitet. Leider sieht sie davon nichts, weil die Rente und das Wohngeld gleich für die Unterbringung im Heim überwiesen werden.

Ich denke, dass auch Menschen mit Behinderung Wünsche haben, die sie sich gerne erfüllen möchten. Ganz bestimmt ist es gut für ihr Selbstwertgefühl, wenn sie für Ihre Arbeit so viel Geld bekommen, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Manche bekommen ja noch eine Grundsicherung zusätzlich, aber sicher empfinden sie das als Almosen.

Sollte nicht jeder, der arbeitet auch so viel verdienen, dass er davon leben kann?

Kann man Inklusion erzwingen?

3. Juli 2012: Mit der Unterzeichnung der UN-Konvention sollte Deutschland eigentlich inklusiv werden.

Leider gibt es immer noch tausend Gründe, warum Schüler mit Behinderung nicht am Regelunterricht teilnehmen können oder im Sportverein mitmachen dürfen.

Manche Eltern haben den Mut, dagegen zu Klagen und erreichen so ihr Ziel.

Aber wie geht es den Kindern dabei? Bekommen sie zu spüren, dass sie eigentlich nicht erwünscht sind?

Oft werden schwierige Kinder als Grund dafür genannt, dass man nicht auch noch behinderte Kinder aufnehmen kann. Um dies zu ändern, müssen die Lehrer schon während der Ausbildung lernen, dass es ihre Aufgabe ist, alle Schüler zu akzeptieren und unterrichten. Wenn sie dazu nicht bereit sind, haben sie vielleicht einen falschen Beruf gewählt. Sicher müssen sie auch entsprechend ausgebildet werden und notwendige Hilfen bekommen.

Auch Menschen mit Handicap möchten mal Urlaub machen. Leider gelingt es ihnen nicht immer, in ganz normalen Hotels unterzukommen und mit den anderen Gästen Kontakt aufzunehmen. Im Gegenteil, oft fühlen sich die anderen Urlauber belästigt und klagen sogar. Solange es Gerichte gibt, die Schadensersatz gewähren, wird es sehr schwer sein Inklusion zu ermöglichen.

Als ich meine Zahnimplantate bekam, betonte der Kieferchirurg, dass es nicht selbstverständlich gewesen sei und dass es nicht viele Kollegen gibt, die dazu bereit gewesen wären.  Mein Bruder, der selbst Arzt ist, meinte nur: „ Man sollte diesen Ärzten die Approbation entziehen, wenn sie nicht bereit sind, Patienten mit Down-Syndrom bestmöglich zu versorgen.“ Er schluckte und gab meinem Bruder Recht.

Von meiner Tante weiß ich, dass in ihrer Umgebung ein Wohnheim für behinderte Menschen gebaut werden sollte. Die Nachbarn demonstrierten dagegen und leider entschied auch ein Gericht, dass dort nicht weitergebaut werden durfte.

Normalität in Film Presse und Fernsehen

26. April 2012: Am 24.02.2012 war ich in Berlin bei der Veranstaltung: Vor aller Augen (un)sichtbar – Geistige Behinderung und Öffentlichkeit.

Es ging darum, dass Menschen mit so genannter geistiger Behinderung kaum wahrgenommen werden und auch aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen sind. Daran sollte diese Veranstaltung etwas ändern.

Ich achte ja immer darauf, ob ich Menschen mit Behinderung sehe und wünsche mir viel mehr Filme, in denen auch diese Menschen gezeigt werden.

Leider ist das Interesse an solchen Filmen nicht sehr groß und  die Einschaltquoten nicht besonders hoch. Berichtet wird hauptsächlich über Skandale, oder es gibt Negativschlagzeilen.

Dokumentarfilme werden oft erst kurz vor Mitternacht ausgestrahlt.

In Spielfilmen müssen sich erwachsene Menschen mit Behinderung oft wie Kleinkinder verhalten.

Auch wenn man das Down – Syndrom hat, wird man erwachsen und möchte nicht mit einem Teddybär durch die Gegend laufen.

Ich stelle mir vor, dass in ganz vielen Filmen irgendwelche Menschen mit Handicap sichtbar sein sollten, ohne dass es Thema sein muss.

Vorstellbar wäre für mich eine Frau mit Down-Syndrom an der Supermarktkasse, ein Blinder, der mit seinem Hund über die Straße läuft, ein Rollstuhlfahrer, der leider nicht ins Kino oder ins Restaurant kommt, weil Treppen ihn daran hindern.

Es wäre auch schön, wenn in einem Kindergarten oder einer Schule behinderte und nicht behinderte Kinder miteinander spielen oder lernen.

Auch in der Werbung könnte ich mir gut vorstellen, dass zum Beispiel eine glückliche Familie mit einem behinderten Kind zu sehen ist.

So könnte man zeigen, dass man keine Angst vor Behinderung haben muss.

Behinderung heißt nicht gleich, dass man unglücklich ist.

Trotz Handicap kann man zufrieden und glücklich sein.

Da können die Medien sicher ganz viel dazu beitragen, dass wir eine  andere Sichtweise bekommen!