Verliebt, verlobt, verheiratet – auch mit Trisomie 21? Warum nicht?!

27. November 2012: Junge Menschen mit Down-Syndrom haben die gleichen Bedürfnisse nach Freundschaft, Partnerschaft, Liebe  und Zärtlichkeit wie alle anderen Menschen auch. Sie wünschen sich einen Partner, zu dem sie sich hingezogen fühlen, der sie versteht und glücklich macht.

Leider ist Liebe und Sexualität bei behinderten Menschen immer noch ein Tabuthema.

Im Grundgesetz Artikel 2 steht: „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Also haben auch Menschen mit Handicap ein Recht auf Selbstbestimmung.

Sie haben auch Schmetterlinge im Bauch wenn sie sich verlieben und möchten so sein, wie alle anderen auch.

Früher träumten besonders Mädchen von einer Märchenhochzeit in Weiß. Heute entscheiden sich  viele Paare ohne Trauschein miteinander zu leben.

Dieses Recht wünschen sich auch Heimbewohner. Sie möchten sich gerne verloben, irgendwann heiraten und  zusammenziehen.

Leider wird das in den meisten Einrichtungen nicht geduldet.

Sicher brauchen manche Paare Unterstützung, aber die sollten sie doch auch bekommen!

Ich erinnere mich gut an den Film „Me Too“ mit Pablo Pineda. Er möchte keine Freundin mit Down – Syndrom und verliebt sich in eine Arbeitskollegin. Unrealistisch?

Ich glaube nicht! Pablo Pineda macht als Daniel in dem Film schöne Erfahrungen aber er erlebt auch Enttäuschungen, wie alle Menschen im richtigen Leben.

Es gibt solche Paare und sie können auch eine glückliche Beziehung führen.

Leider entsteht aber in der Öffentlichkeit oft der Eindruck, dass der Partner mit Handicap bei so einem ungleichen Paar sehr abhängig ist und sich auch missbrauchen oder ausnutzen lässt.

Im Stephansdom in Wien wurde ein Paar mit Down – Syndrom vom Dompfarrer getraut und zwar ohne  standesamtliche  Trauung.

Mein Freund möchte unbedingt, dass wir uns verloben. Darum habe ich mich mit dem Thema Eheschließung trotz Trisomie 21 intensiv beschäftigt.

Von der Standesbeamtin in Seeheim erfuhr ich, dass entgegen der allgemeinen Meinung auch Menschen mit Handicap durchaus heiraten dürfen. Da ich keinen Betreuer habe und voll geschäftsfähig bin, gibt es keine Einschränkungen.

Wenn die Brautleute einen Betreuer haben, muss dieser zustimmen damit die Trauung stattfinden kann. Es gibt kein Verbot.

Vielleicht halten Ehen von diesen Paaren sogar länger, weil sie oft schon lange zusammen sind und sehr darum kämpfen mussten.

Vom Heim- zum WG-Bewohner

23. November 2012: Früher wohnten die meisten Menschen mit Behinderung in Wohnheimen am Stadtrand weit entfernt von ihren Familien. Es gab große Wohngruppen mit Gemeinschaftsküche und Toiletten.

Das ist nicht mehr zeitgemäß, deshalb werden nun oft WG’s mit kleineren Wohngemeinschaften eingerichtet. Hier ziehen Bewohner ein, die mit Betreuung in der Lage sind ihr Leben zu meistern.

Betreutes Wohnen heißt auch, dass jeder sich seinen Wohnsitz wählen kann.

Jeder Bewohner  hat ein eigenes Zimmer und kann es individuell einrichten. Wünsche können berücksichtigt werden und die Privatsphäre bleibt auch gewahrt.

Während im Wohnheim in Großküchen für alle gekocht wird und Wäschereien für die Wäsche zuständig sind, lernen die WG-Bewohner für sich selbst zu sorgen. Sie gehen einkaufen, lernen kochen und Wäsche waschen.

Auch bei uns im Ort gibt es solche Wohngemeinschaften. Eigentlich ist das doch eine tolle Sache.

Leider sind nicht alle Nachbarn begeistert davon. Es gab Proteste. Einige Nachbarn haben sogar ihr Haus verkauft und sind weggezogen, weil sie nicht in unmittelbarer Nähe von Menschen mit Handicap leben wollten.

Manche Leute haben auch ihre Zäune erhöht und Eltern haben ihren Kindern verboten mit den WG-Bewohnern zu sprechen.

Es gibt also immer noch Berührungsängste. Aber es gibt auch nette Nachbarn, die ihre Hilfe anbieten.

Unten im Haus ist eine Eisdiele, die von den WG-Bewohnern gerne aufgesucht wird. Vorher müssen sie aber immer anrufen, und fragen, ob nicht so viele Gäste da sind und ob sie kommen dürfen.

Der Gast ist König! Aber nicht jeder – oder?

Ich glaube trotzdem, dass es ein richtiger Schritt auf dem Weg zur Inklusion ist.

Mein Traum wären gemischte Gruppen, also inklusive Wohngemeinschaften!

Ob wir das einmal erreichen werden?