Gut gedacht, doch schlecht gemacht? – Kann Inklusion funktionieren?

Am 23. Mai 2013 bekam ich eine Anfrage vom WDR, ob ich nicht Lust hätte, an einer Life-Talk-Show am 16. Juni teilzunehmen. Es sollte um Inklusion gehen.
 Dass ich ein Inklusionsfan bin, ist ja bekannt. Trotzdem war ich sehr unsicher, ob ich das machen sollte. Schließlich haben die anderen Talkgäste eine viel bessere Bildung als ich. Aber bei so einer Fernsehsendung kann man sehr viele Menschen erreichen und ich wollte schon immer zeigen, dass auch Menschen mit Down-Syndrom dazugehören und etwas leisten können.

Deshalb fragte ich meinen Chef, ob er damit einverstanden ist, wenn ich an dieser Talk-Show teilnehmen würde. Er war einverstanden, ich bekam am 15. Juni frei und er genehmigte auch Dreharbeiten im CAP-Markt.
Damit die Zuschauer sich ein Bild von den Talkgästen machen konnten, wurden sie nämlich in einem kurzen Film vorgestellt. Mich sah man z. B. beim Kassieren im CAP-Markt, beim Tauchen im Roten Meer, beim Klavierspielen, beim Schreiben eines Blogbeitrages auf http://www.carinasblog.de am Computer und beim Spiel mit meinem Hund Berry.

Kann man gegen Inklusion sein?

Mit dem ICE ging es nach Köln und ich war schon sehr gespannt auf die Sendung. Den Moderator und die anderen Talkgäste lernte ich beim Frühstück kurz vor der Sendung kennen.
Herr Krauthausen, Frau Zamani und ich waren für die Inklusion. Frau Breuer, eine Sonderpädagogin und Herr Wirths, der Vater eines sprachbehinderten Jungen wollten an den Sonderschulen festhalten.
Für mich ist Inklusion inzwischen so selbstverständlich, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass man so sehr dagegen sein kann. Natürlich sind die Rahmenbedingungen noch nicht überall ideal, aber sollte man deshalb die Inklusion ganz ablehnen?

Deutschland hat ja die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben und deshalb hoffe ich sehr, dass alle zuständigen Stellen gemeinsam daran arbeiten, dass die Inklusion ein Erfolg wird.
Ich hoffe so sehr, dass es uns Inklusionsbefürwortern gelungen ist, auch einige Zuschauer von dem Inklusionsgedanken zu begeistern.
Es gab jedenfalls sehr viele positive Rückmeldungen.

Wer mag, kann sich die Sendung gerne in der Mediathek anschauen.
 Mir hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht und in Zukunft müsste ich nicht mehr so lange überlegen, ob ich mich traue, bei so einer Sendung mitzumachen.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/videowestarttalkkanninklusionfunktionieren100.html

Meine Gedanken zur Präimplantationsdiagnostik

22. Dezember 2013: Präimplantationsdiagnostik bedeutet, dass im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf Gendefekte getestet werden.
 Am 7.7.2011 wurde im Bundestag darüber abgestimmt, ob die PID zugelassen werden soll.

Ich habe die Diskussion intensiv verfolgt und mir meine eigenen Gedanken gemacht.
 Ich empfinde es als Widerspruch, dass ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten oder bei Behinderung bis kurz vor der Geburt nicht strafbar ist aber Embryonen geschützt werden sollten.
 Deshalb ist es kein Wunder, dass unsere Abgeordneten sich für die PID in Grenzen entschieden haben.
 Ich kann gut verstehen, dass Eltern gesunde Kinder haben möchten. Trotzdem finde ich, dass diese Entscheidung zu weit geht.
 Ich hätte mir gewünscht, dass die PID nur dann erlaubt werden sollte, wenn eine Todgeburt oder Fehlgeburt mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.
 Aber ich bin auch gegen die Abtreibung. 
Nun soll die PID also begrenzt zugelassen werden.

Aber wo sind die Grenzen? 
Für Untersuchungen auf Down-Syndrom soll die PID nicht erlaubt sein. Aber ich bin sicher, dass Embryonen, bei denen eine Trisomie festgestellt wird ausgesondert werden. Sonst würden die Föten ja wahrscheinlich später abgetrieben werden.
 Es wundert mich sehr, dass die PID auch dann möglich ist, wenn genetisch bedingt Krankheiten erst in höherem Alter auftreten könnten.
 Weil bei der PID immer mehrere Eizellen befruchtet werden, kann ich mir gut vorstellen, dass dann auf Wunsch auch das Geschlecht ausgewählt werden kann.
 Wenn die medizinische Forschung weitergeht, ist es sicher auch möglich, nach anderen Gesichtspunkten wie z. B. Augen- und Haarfarbe auszuwählen.
Menschen mit Behinderungen werden als „unerwünscht“ und „verhinderbar“ angesehen. Schon heute werden Eltern von behinderten Kindern schief angesehen und gefragt: „Musste das sein?“ 
Hoffentlich beginnt nun nicht wieder die Diskussion um lebenswertes und lebensunwertes Leben.
 Trotz PID wird es weiter Krankheit und Behinderung geben.
Es gibt Menschen, die trotz schwerster Behinderung gerne leben.
 Deshalb wünsche ich mir, dass die Diskriminierung behinderter Menschen nicht weiter zunimmt!

Brauchen Kinder mit Down-Syndrom eine strenge Erziehung?

30. Juni 2013: Kinder mit Down-Syndrom fallen meist auf, weil sie etwas anders aussehen. Deshalb werden sie besonders beobachtet. 
Man sagt ihnen nach, dass sie distanzlos sind.
Manchmal beobachte ich wie unsere Mitmenschen auf sie reagieren.

So lange die Kinder klein sind, findet man sie niedlich und lacht über sie. 
Manche Eltern lassen sie einfach laufen, weil sie denken, die Kleinen verstehen mich sowieso nicht und können gar nicht hören. Wenn sie ihren Kindern etwas verbieten, weil sie im Restaurant z. B. zu laut sind oder Fremde belästigen, heißt es nur: „Ach lassen Sie doch, das macht doch nichts!“
 Bei einem Kind ohne Handicap wäre das sicher anders.

Irgendwann werden auch Kleinkinder mit Down-Syndrom größer und die Leute finden es gar nicht mehr gut, wenn sie angefasst oder durch das Verhalten der Kinder gestört werden.
 Sicher erfordert es viel Geduld und Konsequenz, Kindern mit einer Trisomie 21 Grenzen zu setzen, aber sie können bis zu einem gewissen Grad auch lernen Regeln einzuhalten und Rücksicht zu nehmen. 
Das ist sehr hilfreich für die Akzeptanz und Inklusion in der Freizeit, dem Kindergarten, der Schule und auch der Arbeitswelt. Immer wird ein gutes Sozialverhalten erwartet.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass von der Gesellschaft nicht erwartet wird, dass diese Kinder sich total anpassen. Sie sind nun mal etwas anders und brauchen Toleranz und Verständnis um dazu zu gehören.
Wie Richard von Weizsäcker schon gesagt hat: „Es ist normal verschieden zu sein!“
 Ganz bestimmt können wir alle nicht nur miteinander sondern auch voneinander lernen. 
Die meisten Menschen mit Down-Syndrom sind nämlich sehr empfindsam ihren Mitmenschen gegenüber.