Fest für Körper und Sinne in Wiesbaden

22. Januar 2013: Am ersten September fand in Wiesbaden zum sechsten Mal ein großes Inklusionsfest statt. Veranstalter waren das Bistum Limburg, die Stadt Wiesbaden und der Arbeitskreis Wiesbadener Behindertenorganisationen.

Zunächst wurde in der Bonifatiuskirche ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten.

Anschließend fand ein für Deutschland einmaliges Fest mitten auf dem Schlossplatz für Menschen mit und ohne Handicap statt.

Sinn dieser Veranstaltung sollte es sein, die Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Behinderungen und nicht behinderten Menschen zu lösen und das gegenseitige Verständnis zu verbessern.

An den rund 30 Ständen konnte man sich informieren und auch mitmachen (weben, malen, basteln usw.).

Auch Essbuden gab es genug und keiner musste hungern.

Spielmannszüge und Polizeiorchester sorgten für gute Stimmung.

Auf der Bühne sangen verschiedene Chöre, Theaterstücke wurden aufgeführt und Tanzgruppen zeigten ihr Können.

Besonders interessant war das Café Dunkelzelt. Mit verbundenen Augen und einem Stock konnte man versuchen, sich in der Dunkelheit zu orientieren. An der Dunkelbar  war der blinde Barkeeper eindeutig im Vorteil.

Beim Mitmachprogramm  konnte man einen Rollatorführerschein machen oder an einem Rollstuhlparcour teilnehmen.

Höhepunkt war Jochens Tauchtruck direkt vor dem Landtag. Betreut wurde dieser von der DLRG Idstein, dem TC Oktopus Rüdesheim mit den Bewohnern des St. Vincenstift Aulhausen und den Wasserflöhen aus Darmstadt.

Jeder Verein hatte seinen eigenen Stand mit Infomaterial.

Für mich war es das erste Mal, dass ich in einem Truck getaucht bin. Abwechselnd mit den Tauchern der anderen Vereine führten wir einige Übungen wie Maske ausblasen, Druckausgleich und Unterwasserzeichen vor. Besonders die Unterwasserspiele wie Eierlaufen, Unterwasserfrisbee, Parcourstauchen fanden viel Beachtung. Natürlich mussten wir die Veranstaltung auch moderieren, um die Zuschauer zu informieren. Da wechselten sich die Vereine ab. Für die Wasserflöhe übernahmen das Marko Bertges unser Tauchlehrer und ich.

Wer Lust hatte, konnte am Schnuppertauchen teilnehmen. Dafür hatten wir in den Umkleidekabinen genügend Tauchanzüge bereitgestellt.

Leider war die Veranstaltung dann doch nicht so barrierefrei, wie gedacht. Für einen 16jährigern Rollstuhlfahrer, der gerne mittauchen wollte, gab es keine Möglichkeit, auf den Tauchtruck zu kommen, obwohl die Feuerwehr  und das THW vor Ort waren und um Mithilfe gebeten wurden.

Die Unterwasserfotografin Petra Minnasch von Aquamarine Pictures führte ein Fotoshooting mit ihrem Modell vor.

Zum Schluss gab es noch eine Weinprobe der besonderen Art. Die Weinkönigin schenkte an Land verschiede Weinsorten aus und lies raten, um welchen Wein es sich handelte. Für die Unterwasserweinprobe bekamen die Taucher ihren Wein in Einwegspritzen.

Da auch im Landtag Tag der offenen Tür war, nutzte ich eine Mittagspause, um an einer Schlossführung teilzunehmen.

Das war sehr beeindruckend! Niemals hätte ich gedacht, dass dieses Stadtschloss so  prunkvoll ist.

Verliebt, verlobt, verheiratet – auch mit Trisomie 21? Warum nicht?!

27. November 2012: Junge Menschen mit Down-Syndrom haben die gleichen Bedürfnisse nach Freundschaft, Partnerschaft, Liebe  und Zärtlichkeit wie alle anderen Menschen auch. Sie wünschen sich einen Partner, zu dem sie sich hingezogen fühlen, der sie versteht und glücklich macht.

Leider ist Liebe und Sexualität bei behinderten Menschen immer noch ein Tabuthema.

Im Grundgesetz Artikel 2 steht: „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Also haben auch Menschen mit Handicap ein Recht auf Selbstbestimmung.

Sie haben auch Schmetterlinge im Bauch wenn sie sich verlieben und möchten so sein, wie alle anderen auch.

Früher träumten besonders Mädchen von einer Märchenhochzeit in Weiß. Heute entscheiden sich  viele Paare ohne Trauschein miteinander zu leben.

Dieses Recht wünschen sich auch Heimbewohner. Sie möchten sich gerne verloben, irgendwann heiraten und  zusammenziehen.

Leider wird das in den meisten Einrichtungen nicht geduldet.

Sicher brauchen manche Paare Unterstützung, aber die sollten sie doch auch bekommen!

Ich erinnere mich gut an den Film „Me Too“ mit Pablo Pineda. Er möchte keine Freundin mit Down – Syndrom und verliebt sich in eine Arbeitskollegin. Unrealistisch?

Ich glaube nicht! Pablo Pineda macht als Daniel in dem Film schöne Erfahrungen aber er erlebt auch Enttäuschungen, wie alle Menschen im richtigen Leben.

Es gibt solche Paare und sie können auch eine glückliche Beziehung führen.

Leider entsteht aber in der Öffentlichkeit oft der Eindruck, dass der Partner mit Handicap bei so einem ungleichen Paar sehr abhängig ist und sich auch missbrauchen oder ausnutzen lässt.

Im Stephansdom in Wien wurde ein Paar mit Down – Syndrom vom Dompfarrer getraut und zwar ohne  standesamtliche  Trauung.

Mein Freund möchte unbedingt, dass wir uns verloben. Darum habe ich mich mit dem Thema Eheschließung trotz Trisomie 21 intensiv beschäftigt.

Von der Standesbeamtin in Seeheim erfuhr ich, dass entgegen der allgemeinen Meinung auch Menschen mit Handicap durchaus heiraten dürfen. Da ich keinen Betreuer habe und voll geschäftsfähig bin, gibt es keine Einschränkungen.

Wenn die Brautleute einen Betreuer haben, muss dieser zustimmen damit die Trauung stattfinden kann. Es gibt kein Verbot.

Vielleicht halten Ehen von diesen Paaren sogar länger, weil sie oft schon lange zusammen sind und sehr darum kämpfen mussten.