Tiere helfen Berührungsängste abzubauen

12. Februar 2012: Wenn ich unterwegs bin, schaue ich immer, ob ich andere Menschen mit Behinderung sehe. Ich achte darauf, wie man mit ihnen umgeht.

Oft bemerke ich, dass hinter einem behinderten Menschen getuschelt wird und die Leute vor ihm die Straßenseite wechseln. Einmal hörte ich sogar jemanden sagen: „Ich mag keine Behinderten und will nichts mit ihnen zu tun haben!“

Wenn ein behinderter Mensch einen niedlichen kleinen Hund bei sich hatte, wurde die Aufmerksamkeit dem Tier gewidmet und man unterhielt sich sogar miteinander.

Als ich im Altenheim arbeitete, fiel mir auf, dass viele Bewohner sehr verschlossen und kaum noch ansprechbar waren. Nachdem dort regelmäßig  Hundebesitzer mit ihren Tieren zu Besuch  kamen, blühten sie auf, streichelten die Hunde und nahmen sogar  wieder an Gesprächen teil.

Die Liebe zu Tieren verbindet behinderte und nicht behinderte Menschen. Diese Erfahrung machte ich auch mit meinem Hund. Durch ihn hatte ich viel mehr Kontakt zur Außenwelt und mehr Freunde. Immer, wenn wir spazieren gingen, wurden wir in Gespräche verwickelt. Leute, die mich normalerweise ignoriert hätten, freuten sich, wenn wir uns trafen.

Mein Hund spürte auch immer, wenn ich traurig war und tröstete mich. Meine Kusine erlebte das mit ihrer Katze.

Auf Blindenfreizeiten waren die anderen Gäste den Blinden gegenüber oft sehr reserviert. Einmal hatten zwei Frauen ihren Blindenhund mit. Da gab es keine Berührungsängste sondern viel Interesse an der Arbeit der Hunde. Wenn sie nicht im Dienst waren, durften wir auch mit ihnen spielen.

Während meines Praktikums in einer Schule für praktisch Bildbare fuhren wir einmal in der Woche zum therapeutischen Reiten. Da bemerkte ich, dass die Pferde den Schülern gut taten. Die Kinder freuten sich und machten dadurch Lernfortschritte in der Schule.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass selbst autistische Kinder, die gar nicht ansprechbar waren, durch eine Delphintherapie sprechen lernten und keine Angst mehr vor der Nähe ihrer Mitmenschen hatten.

Ich bin sehr glücklich, dass wir unsere Tiere haben!

Mein Haustier Arco

FaB311. Februar 2012: An einem Samstagabend im März 2000, bekam ich eine große Überraschung. Als ich im Bett lag und schlafen sollte, hörte ich ein leises Fiepen und Winseln. Schnell sprang ich aus meinem Bett  und rannte so schnell ich konnte aus meinem Zimmer. Da sah ich ein ganz goldiges kleines Schäferhundbaby mit Schlappohren.  Gleich nahm  ich es auf meinen Arm und streichelte es immer wieder.

Die erste Nacht durfte unser Hundebaby bei meinem Bruder schlafen. Weil der kleine Racker ständig jaulte und meinem Bruder die Bettdecke wegzog, hatte dieser eine schlaflose Nacht.

Am nächsten Tag gaben mein Bruder, meine Tante Katharina und ich ihn den Namen „Arco.“

Arco folgte mir immer auf Schritt und Tritt. Deshalb holte ich die Leine und wollten mit ihm spazieren gehen.

Zuerst, wollte er nicht an der Leine laufen. Da musste ich immer mit dem Futternapf vorlaufen, damit er sich von meinem Bruder an der Leine führen ließ. Später holte er seine Leine selber wenn er spazieren gehen wollte. Wenn wir ihn aufforderte uns die Schuhe zu bringen, brachte er meiner Mutter, meinem Bruder und mir nacheinander die richtigen Schuhe.

Schon als er ganz klein war holte er sich riesige Baumstämme und legte sie uns vor die Füße.

Er liebte das Wasser und war nicht mehr zu halten, wenn wir in die Nähe von einem Teich oder Fluss kamen.

Vögel liebte er besonders. Wenn wir an einer Voliere vorbeikamen, blieb er stehen und schaute die Vögel an.

Wenn er Krähen auf dem Feld sah, rannte er hinterher.

Arco, half meinem Bruder Tobias auch immer bei der Gartenarbeit. Wenn Tobi frische Blumen einpflanzte, buddelte Arco sie aus und legt sie vollkommen zerrupft vor die Haustür. Da Arco ein fleißiger Lehrling war, half er auch bei der Teichpflege.Wenn mein Bruder das alte Schilf abschnitt, brachte Arco es zum Kompost. Selbst als Tobias mit der Arbeit fertig war, arbeitete Arco weiter und holte alle Pflanzen die er kriegen konnte heimlich aus dem Teich.

Wenn der Postbote die Post brachte, rannte Arco ihm entgegen und nahm ihm die Briefe ab. Er war sehr stolz, wenn er uns die Post überreichte.

Unsere Nachbarn zwei Häuser weiter haben eine Hündin aus dem gleichen Wurf. Es war zu schön, wenn die zwei miteinander spielten.

Wenn wir eine Tiersendung im Fernseher anschauten, kroch unser Arco fast in den Fernseher und war ganz gespannt. Waren keine Tiere mehr zu sehen, so verschwand er.

Mein Knuddelmax merkte immer, wenn ich traurig war und tröstete mich.

Immer wenn eine Feuerwehrsirene zu hören war, jaulte er mit und alle Leute drehten sich zu ihm um und fingen an zu lachen.

Arco war ein wunderschönes Tier und viele Leute bewunderten ihn.

Wenn ein Filmteam zu uns kam und ich gefilmt werden sollte, wurde Arco auch immer gefilmt.

Wenn es ein Fotoshooting bei uns zu Hause gab, wurde Arco auch fotografiert.

Darüber bin ich sehr froh, weil ich nun eine sehr schöne Erinnerung an ihn habe.

Im Mai letzten Jahres musste er leider eingeschläfert werden, weil er einen großen Milztumor und leider auch schon Metastasen im Gehirn hatte.

Darüber bin ich sehr traurig und vermisse ihn immer noch sehr.

Vom Hilfeempfänger zum Helfer

4. Januar 2012: Als ich geboren wurde, sagte man meinen Eltern: „Geben Sie Ihr Kind in ein Heim, es wird nie sitzen, laufen, schreiben, rechnen und lesen können! Es wird nie selbständig leben können! Heute weiß ich, dass das nicht stimmt!

Meine Mutter hat mir immer so viel Hilfestellung wie nötig gegeben, aber sie hat mich auch immer ermutigt, so viel wie möglich selbst zu tun.

So habe ich viel gelernt und kann nun auch anderen helfen. Darüber bin ich sehr glücklich.

Ich habe einen Minijob bei einer Dame, die im Rollstuhl sitzt. Sie hat eine schwere Muskelschwäche, deshalb fallen Ihr oft die Augenlider zu und sie kann leider gar nichts sehen. Dann muss ich ihr ganz schnell Tabletten anreichen. Sie freut sie sich ganz besonders, wenn ich ihr etwas vorlese oder auf dem Klavier vorspiele. Sie diktiert mir, was sie aufschreiben oder einkaufen muss. Manchmal fülle ich Überweisungsscheine aus, bringe sie zur Bank und drucke Kontoauszüge aus. Ich kann ihre Beine und ihre Augen ersetzen und Besorgungen für sie machen.

Bei schönem Wetter gehen wir spazieren und ich schiebe den Rollstuhl.

Wenn es  der Dame gut geht,  können wir sogar shoppen. Da brauchen wir nur jemanden, der uns nach Darmstadt fährt und auch wieder abholt. Weil die Gänge zwischen den Kleiderständern zu eng sind und die Kleidung zu hoch hängt, bringe ich ihr verschiedene Sachen, damit sie eine Auswahl treffen kann. Wenn wir etwas Passendes gefunden haben, gehe ich zur Kasse und bezahle. Manchmal besuchen wir auch ein Restaurant und essen dort Mittag. Wir haben immer sehr viel Spaß und freuen uns, wenn wir erfolgreich sind.

Ich darf auch im Haushalt helfen, z.B. Geschirr spülen, Staub wischen, den Fußboden wischen, Wäsche aus der Maschine nehmen und aufhängen. Außerdem hole ich Lebensmittelvorräte aus dem Keller.

Wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, spielen wir manchmal zusammen Kniffel und verschiedene andere Spiele. Das macht sehr viel Spaß.